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Hitler – Tito – Beneš

2013-10-16 hitler benes tito16. Oktober 2013

Hitler – Beneš – Tito – das neueste Buch von Prof. Arnold Suppan

Am 16. Oktober fand die Präsentation der neuesten Veröffentlichung von Prof. Arnold Suppan, Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Europa Institutes Budapest statt, des dreibändigen Werkes mit dem Titel "Hitler - Benes - Tito". Prof. Ferenc Glatz, Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften a. D, Direktor des Europa Institutes und Mitpräsident der Ungarisch-Serbischen Akademischen Kommission – eine Initiative der historischen Versöhnung zwischen Serben und Ungarn auf höchster akademischer und staatlicher Ebene –, war bei der von der ÖAW in Wien organisierten Buchpräsentation zum Thema der Konfliktgeschichte der ostmittel- und südosteuropäischen Region anwesend.

Weitere Informationen zur Edition

 

MEDIENINFORMATION

Wissenschaft/Geschichte/Politik

30.09.2013

 

Arnold SUPPAN, Hitler – Beneš – Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa, 3 Bde. (Wien: Verlag der ÖAW, 2014), XXXIV+ 2060 Seiten mit 140 Abbildungen und 13 Karten

Hitler – Beneš – Tito

 

Opus magnum greift heiße Eisen an

 

Wien.- Auch siebzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wirken in Ostmittel- und Südosteuropa politische Entscheidungen, Kriegshandlungen, Verbrechen, Massenmorde und Vertreibungen und Rechtsakte – sowie Erinnerungen an und Geschichtserzählungen über sie – aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach. Sie tauchen in der Öffentlichkeit nach wie vor unter den Chiffren Hitler, NS-Besatzungspolitik, Völkermord, Widerstand, Partisanenkrieg, Kollaboration, Vertreibung, Beneš-Dekrete und AVNOJ-Beschlüsse auf. Nicht nur die langsam aussterbende „Kriegsgeneration“ findet sich in vielen internationalen Dokumentarfilmen angesprochen, sondern auch die Generationen ihrer Kinder und Enkelkinder begannen sich spätestens seit der „Wende“ 1989 mit den Ereignissen um den Zweiten Weltkrieg zu beschäftigen. Nicht zuletzt wurden in der Dekade zwischen 1938 und 1948 die jahrhundertelang engen Beziehungen zwischen „Deutschen“ und „Österreichern“ einerseits, „Tschechen“, „Slowaken“, „Slowenen“, „Kroaten“, „Serben“ und „Bosniaken“ andererseits in einer Weise erschüttert und zerstört, dass ein Weiterleben nur mehr bei strikter Trennung durch einen „Eisernen Vorhang“ möglich schien.  

          Die monumentale Monographie des Wiener Osteuropa-Historikers Arnold Suppan verknüpft, angeregt durch viele kontroverse Diskussionen in internationaler Historiographie und Politik, scheinbar weit auseinander liegende Themen, die bis in die unmittelbare Gegenwart aus gegensätzlichen Perspektiven betrachtet werden: die nationalen Konfliktgemeinschaften in den böhmischen, oberungarischen und südslawischen Ländern der Habsburgermonarchie vor 1918; die nationalen und internationalen Konfliktgeschichten in und um die Tschechoslowakei und Jugoslawien in der Zwischenkriegszeit; die nationalsozialistische Herrschaft in der Tschechoslowakei und Jugoslawien zwischen politischer Repression, wirtschaftlicher Ausbeutung, partieller Kollaboration, Partisanenkrieg, Geiselerschießungen und Völkermord; Rache, Vergeltung und Strafe am Ende des Zweiten Weltkrieges; Vertreibung, Zwangsaussiedlung und „ethnische Säuberung“ zwischen 1945 und 1948; Kollektivschuld, Enteignung und Entrechtung; schließlich der in allen Ländern bis heute schwierige Umgang mit Erinnerung und Historisierung. Zeitlich versetzt bestimmten der NSDAP-Führer und deutsche Reichskanzler Adolf Hitler, der tschechoslowakische Außenminister und Präsident Edvard Beneš sowie der jugoslawische Partisanenführer und Präsident Josip Broz Tito nicht nur maßgeblich die nationale und internationale Politik zwischen 1918 und 1980, sondern sind in der kollektiven Erinnerung in Ostmittel- und Südosteuropa – und darüber hinaus – bis heute wirkmächtig geblieben.          

            Suppans dreibändiges Werk fußt auf Forschungen in tschechischen, slowakischen, serbischen, kroatischen, slowenischen, deutschen, amerikanischen, britischen und österreichischen Archiven und wertet eine Vielzahl neuer Quellen aus. Dazu gehören sowohl amtliche Berichte, Memoranden, Protokolle, Beschlüsse, Weisungen, Dekrete, Befehle, Gutachten, Meldungen und Stimmungsberichte von Politikern, Diplomaten, Beamten, Militärs, Polizisten und Geheimpolizisten als auch private Erlebnisberichte, Tagebücher und Briefe von Industriellen, Gewerbetreibenden, Bauern, Hebammen, Professoren, Lehrern, Richtern, Rechtsanwälten, Bischöfen, Pfarrern, Offizieren und Journalisten. So sandte etwa im August 1943 ein Informant aus Mährisch-Ostrau folgenden Stimmungsbericht aus dem Protektorat Böhmen und Mähren an die tschechoslowakische Exilregierung in London:

            „Die Hácha-Regierung wird nicht als verräterisch angesehen, sie wird damit erledigt, dass ‚es jemand machen muss’… Es wird Hácha hoch angerechnet, dass die Tschechen nicht militärpflichtig sind… Die Sudetendeutschen hassen deswegen die Tschechen, die nicht kämpfen müssen und es verhältnismäßig gut haben in den deutschen Fabriken und am Land in Böhmen… Der Hass gegen die Deutschen ist groß, selbstverständlich gegen die Nazis, die meistens den Kreisen der deutschen Bourgeoisie und Intelligenz angehören… Beneš hat Anhänger in Prag, in Böhmen schon weniger, und in Mähren und in der Slowakei noch weniger… Im Allgemeinen herrscht ein Widerwillen gegen die Politiker von 1918/1938… Die links orientierten Kreise sind für Fierlinger [= Gesandter in Moskau], sogar für Nejedlý, die rechts orientierten glauben an einen Sieg von Amerika und England… Man belauscht mehr den Moskauer Sender als London… Gutes Verhältnis zu den Slowaken, man wirft ihnen nichts vor, nicht einmal die aktive Teilnahme am Krieg, man versteht, dass sie keine Wahl haben, anders zu handeln.“

            Andererseits ist der „totale Krieg“ im „Unabhängigen Staat Kroatien“ am deutlichsten aus den Lageberichten des aus der Steiermark stammenden SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Polizei, Konstantin Kammerhofer, an den Reichsführer-SS Heinrich Himmler nachzuvollziehen. So hieß es in seinem Lagebericht für den Dezember 1943:

            „Eine Intensivierung der komm. Propaganda fällt besonders mit Bekanntwerden der Errichtung der provisorischen Tito-Regierung auf… Die Stimmung in der Bevölkerung ist allgemein stark durch die Ausrufung der Tito-Regierung beeinflusst worden. Besonderen Eindruck und Nervosität haben die [alliierten] Bombardierungen der Städte Sarajevo und Mostar hinterlassen, sowie das Gerücht, dass Tito nunmehr auch über eigene Flugzeuge verfüge, mit denen zu gegebener Zeit ein Angriff auf Agram geplant sei… Angesichts dieser Sachlage kann von einem Partisanenkrieg im landläufigen Sinne nicht mehr gesprochen werden. Der Kampf, der hier ausgetragen wird, ist ein Kampf gegen reguläre feindliche Miliz, die uniformiert und mit guten Waffen versehen ist. Auch die Führung liegt in Händen von militärischen Fachleuten…“

Autor Arnold Suppan: „Mit meinem Werk will ich vor allem die historischen Hintergründe und psychologischen Barrieren ausleuchten, weshalb wir uns heute im östlichen Mitteleuropa und in Südosteuropa noch immer nicht so vertragen, wie wir uns vernünftigerweise im gemeinsamen Europa vertragen sollten.“

            Mit dem vorliegenden dreibändigen Werk wird am Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die neue Reihe „Internationale Geschichte/International History“ eröffnet.

Das Erscheinen des Werks wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert.

Die Präsentation von „Hitler – Beneš – Tito“ findet am 16.10.2013 um 17 Uhr s.t. in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Johannessaal, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien, statt.

 

Zum Autor:

Arnold Suppan, geb. 1945 in St. Veit/Glan, Kärnten, studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Wien, promovierte 1970 zum Dr. phil. und erhielt 1984 die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für Osteuropäische Geschichte. Zwischen 1988 und 2002 leitete er das Österreichische Ost- und Südosteuropa-Institut in Wien, von 1994 bis 2011 wirkte er als Universitätsprofessor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien und leitete zwischen 2002 und 2008 das gleichnamige Institut. Gastprofessuren führten ihn nach Leiden, Fribourg, Stanford und Budapest. Ab 1998 korrespondierendes, seit 2003 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, leitete er von 2003 bis 2011 die Historische Kommission und wirkte zwischen 2009 und 2011 als Generalsekretär, zwischen 2011 und 2013 als Vizepräsident der ÖAW.

 

Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung (INZ) der

Österreichischen Akademie der Wissenschaften:

Aufgabe des von Univ. Prof. Dr. Michael Gehler geleiteten INZ ist Grundlagenforschung zur Geschichte der Habsburgermonarchie und der Republik Österreich sowie zur Internationalen Geschichte. Das INZ gibt u. a. die Reihe „Die Habsburgermonarchie 1848-1918“, die Editionen „Protokolle des österreichischen Ministerrates“ und „Außenpolitischen Dokumente der Republik Österreich“ sowie das „Österreichische Biographische Lexikon“ heraus.

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:

 

Der Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist ein führender wissenschaftlicher Verlag in Österreich, veröffentlicht jährlich rund 80 Publikationen und ist weltweit vertreten.