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Rückblick

Rückblick
Zwanzig Jahre für die europäische Vereinigung

Das Europa Institut Budapest befasst sich seit seiner Gründung im Jahre 1990 mit dem Gedanken der „europäischen Einheit“. Dieser Grundgedanke bildet den Leitfaden, demnach das Institutsleben und die Tätigkeit des Europa Institutes Budapest seit 1990 gestaltet wurde. Es folgt die Beschreibung der einzelnen Abschnitte in der nunmehr 20-jährigen Geschichte des Institutes, die mit den Rückerinnerungen und Gedanken von Ferenc Glatz, dem Direktor des Europa Institutes Budapest, ergänzt werden.

„Wir blicken nun zurück auf die nunmehr 20-jährige Geschichte des Instituts. Ebenfalls auf die bei der Gründung festgesetzten Zielsetzungen; darauf, welche Tätigkeitsformen wir bei der jeweiligen Verwirklichung der einzelnen Zielsetzungen des Instituts im Laufe dieser zwei Jahrzehnte gewählt und in den Vordergrund gestellt haben? Sei es die Organisation von Konferenzen, die Verleihung von Stipendien an junge Forscher bzw. Gastprofessoren, das Starten von Forschungsprojekten oder die Veröffentlichung von Publikationen.“ (Ferenc Glatz)

1. Erster Abschnitt: Die Zeit nach der sowjetischen Besatzung: Reisefreiheit, Stipendiumsprogramme (1990–1995)

Im Jahre 1991 war die Zielsetzung die „wissenschaftliche Erforschung der Probleme der europäischen Einheit“ (s. Zielsetzungen und Programm. Mitteilungen des Europa Institutes Budapest, No. 1., Budapest 1991). Damals wollten die Gründer des Institutes der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Trennung Europas entgegensteuern. Ungarn sollte zum „Bindeglied“ mit Europa werden und das Europa Institut wünschte durch die Einbeziehung von Fachexperten der verschiedenste Gebieten der Wissenschaften „Europa-Kenntnisse“ zu vermitteln.

„Bei der Gründung des Instituts, im Zeitalter als die sowjetische Besatzungszeit ihrem Ende nahte bzw. das sowjetische System abgeschafft wurde, erschien es uns am wichtigsten – aus der Sicht der Zielsetzungen betrachtet, welche sich auf die Förderung der europäischen Vereinigung bezog –, so viele junge postgraduelle Forscher wie nur möglich nach Ungarn zu holen. Die Stipendiaten, die bei uns zu Gast und im Wohnheim des Instituts ansässig waren, verbrachten in den ersten 10 Jahren nach der Gründung des Instituts insgesamt mehr als 1.000 Monate bei uns in Budapest. In dieser Zeit betrachteten wir die für sie organisierten Werkstattgespräche, die mit ihnen gemeinsam geführten brain stormings, als unsere wichtigste Aufgabe. Selbstverständlich war es uns ebenso wichtig renommierte Intellektuelle und führende Politiker aus ganz Europa zu uns einzuladen, um Vorträge zu halten. Sie sollten dadurch Budapest in das europäische geistige Leben „einbinden“. Dies war die Zeit, die Jahre 1990-1995, als die junge Generation in Osteuropa die Vorteile, die ihnen das Abreißen des Eisernen Vorhangs bot, vollends genießen wollten. Und sie reisten, lernten Fremdsprachen und betrachteten es als ihre Lebensaufgabe einander kennenzulernen und auf diesem Wege zugleich ihre eigene Kultur dem Anderen nahe zu bringen. Das war zugleich die Zeit als die Europäische Union gegründet wurde – 1992 –, es war die Zeit als der Kalte Krieg beendet bzw. abgeschafft wurde, als in Europa die freie Bewegung des Geistes und der Menschen, das gegenseitige Kennenlernen für das Wichtigste erachtet wurde. Und das war die Zeit als sich die Kooperationsbereitschaft zwischen der Zivilgesellschaft und den politischen Akteuren bzw. der Unternehmergesellschaft im Bereich der Kulturförderung vollends entfalten konnte. In der Geschichte der Kulturpolitik dauerte diese Zeit in Westeuropa bis 2000 und in Ungarn bis 2008 an. Wir vertreten die Meinung, dass diese Form der Kulturförderung als ein Produkt des europäischen Wohlfahrtsstaates in den Bereichen Kultur und Wissenschaft zu betrachten ist. Dem müssen wir noch hinzufügen, dass diese als ein Mittel angewandt wurde, um die Zivilgesellschaft zu mobilisieren bzw. zu der Verrichtung von gemeinnützigen Aufgaben Privatkapital einzubeziehen. Die Begründer des Europa Instituts Budapest waren als renommierte Akteure der Zivilgesellschaft in vielen solchen europäischen kulturellen „Unternehmen” vertreten. Und genauso waren auch unsere späteren Privatförderer bestrebt uns bei der Kräftigung unseres Zivilverhaltens zu unterstützen.“ (F. G.)

2. Zweiter Abschnitt: Auf dem Weg in die Europäische Union. Nationalstrategien, Konferenzen (1995–2004/2009)

Im Jahre 1998 begann das von der Europäischen Union geführte Monitoring der Kandidatenländer, somit auch Ungarns. Das Ziel des Europa Institutes Budapest war es nicht allein die „EU-Fähigkeit“ des Landes zu untersuchen, sondern mit der Einbeziehung von Fachexperten und Fachstudien zur EU-Fähigkeit Ungarns tätig beizutragen und Informationen auf einer für jeden verständlichen Weise zu vermitteln. Themenschwerpunkte waren: die Zukunft der kleinen Nationen, der Systemwandel, die Geschichte des ungarischen Staates verbunden mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zum Millennium.

Mit dem Beitritt Ungarns und der weiteren Kandidatenländer in die Europäische Union im Jahre 2004 schien die Zielsetzung, die sich das Europa Institut Budapest bei der Gründung vorgesetzt hatte – der Beitrag zur „europäischen Einheit“ –, erreicht, doch die Themenschwerpunkte des Institutes und das angesammelte Wissen bzw. die Kenntnisse waren aktueller, denn je; und sie boten wichtige Ansätze zur Ausarbeitung von Initiativen und Strategien, für die Institut zahlreiche Foren sicherte (Konferenzen, Rundtischgespräche, Diskussionsabende bzw. Werkstattgespräche mit der Einbeziehung von politischen Entscheidungsträgern, den Wirtschaftsakteuren, Vertretern der Wissenschaft bzw. der einzelnen Fachbereiche sowie der Zivilgesellschaft, Verfassen von Strategie- bzw. Positionspapieren, Publikationen). Somit öffneten die vom Institut behandelten Fragenbereiche, wie die nächste Welle der südöstlichen Erweiterung der EU bzw. Balkanforschung, die kleinen Nationen und ihre Rolle im zukünftigen Europa, die Stellung der Minderheiten, die Auflösung der historischen Konflikte, somit die historische Versöhnung der Völker im Karpatenbecken, sowie die nachhaltige Umwelt- und Wasserwirtschaft, ländliche Politik ein angemessen breites Horizont zur Fortführung der wissenschaftlichen Tätigkeit des Europa Institutes Budapest.

„Das folgende Jahrzehnt (1995–2004) brachte uns eine Reihe von neuen Aufgaben. Die Vorbereitungen für die östliche Erweiterung der Europäischen Union liefen an. Nahezu alle politischen Richtungen in Europa kamen darüber zum Einverständnis, dass die östliche Erweiterung notwendig sei. Bei den Debatten wurde „lediglich” darüber diskutiert, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Tempo die Erweiterung durchgeführt werden bzw. welche geographische Ausdehnung die Europäische Union haben sollte. Und darüber welche Beitrittskriterien in Verbindung mit der Unionsfähigkeit festzusetzen seien. Es wurden Konferenzen und abermals Konferenzen organisiert. Und zwar europaweit in allen führenden intellektuellen Werkstätten des Fachbereichs Sozialwissenschaften. Analysen über Wirtschaft, politische Systeme, Fragen zur Gestaltung des erweiterten Europas. Und das Europa Institut Budapest entwickelte sich zu einem der Akteure und Stätten dieser „Welt der Konferenzen“. (Zum einen dadurch, dass der Direktor ständiger Mitglied der wissenschaftlichen Kommissionen der größten Zivilinstitution Europas, der Bertelsmann Stiftung, wurde, und somit auch das Europa Institut Budapest in den wissenschaftlichen Kreislauf Europas eingebunden werden konnte.) In den Jahren 1995–2004 wurde das Monitoring der wissenschaftlichen Bereiche der Kandidatenländer durchgeführt, ebenso die Bewertung der Beitrittsvorbereitungen Ungarns, die Analyse der sozialen und ethnischen Spannungen, und es wurden ebenfalls die Möglichkeiten der Annäherung der Völker der Region erforscht – diese waren also die Zielsetzungen, die in den Jahresprogrammen des Instituts angeführt wurden. In der Geschichte des Europa Instituts war dies das lange „Ära der Konferenzen”. (Es wurden jährlich 6-8 große internationale Konferenzen organisiert.) Die bekanntesten Persönlichkeiten der führenden europäischen Intellektuellenschicht waren – unserer Einladung folgend und als Referenten der von uns organisierten Konferenzen – in dieser Zeit in Budapest zu Gast. Und das war ebenfalls die Zeit – die Jahre 1995–2004 – der Aufstellung von Strategien. Wie genau soll diese erweiterte Europäische Union aussehen? Wo genau ist der Platz der einzelnen Staaten bzw. Nationen in dieser neuen Welt zu suchen? Handel, Kultur, Wirtschaft. Was uns aber – verständlicherweise – am meisten interessierte was der Platz, den die kleinen Nationen in diesem Europa der Zukunft einnehmen werden. Ob die sozialen und ethnischen Konflikte in den ehemaligen Staaten der sowjetischen Besatzungszone wohl den europäischen Integrationsprozess nicht behindern werden? Ob die Wirtschaftsunsicherheiten in den hiesigen Ländern wohl nicht das Erscheinen von Unsicherheiten genereller Art innerhalb der Union heraufbeschwören werden? Welche Rolle sollte dem Donau-Korridor innerhalb des sich neu formenden Transportnetzwerks des Weltmarktes zugeteilt werden, denn die in östliche und westliche Richtungen verlaufenden Routen mussten neu gezeichnet bzw. errichtet werden. Selbstverständlich interessierte uns am meisten, wie sich die Zukunft der südöstlichen Erweiterung der Europäischen Union gestalten wird. (Dann, 2005 war es so weit und es wurde der Entschluss gefasst, dass das wirklich große Projekt der Union schließlich tatsächlich die Erweiterung in Richtung Südosteuropas, des Balkans sein würde.) Wie aber können wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu der Förderung der südöstlichen Erweiterung beitragen? (Dies war die Zeit als wir unsere zuvor – bereits 1991 – unterbreitete These neu formulierten: Sollten die in den vergangenen 200 Jahren stets neu entfachenden ethnischen Konflikte zwischen den Völkern der mittelosteuropäischen Region nicht aufgelöst werden können, so wird es nicht möglich sein eine Kooperationsbereitschaft zwischen den Völkern dieser Region zu erwirken. Denn es gibt zwei Terrains, wo diese ethnischen Konflikte wirksam werden: das gegenüber dem Anderen gehegte überhitzte Ressentiment, welches im Geschichtsdenken verankert ist, sowie das Fehlen der kollektiven Minderheitenrechte in den hiesigen Staaten. (Aus diesem Grund starteten wir 2007, als Rumänien und Bulgarien in die Europäische Union aufgenommen wurden, die Konferenzreihe „Historische Versöhnung im Karpatenbecken”. Wir bezogen uns hierbei auf die Beispiele der Versöhnungs-prozesse zwischen Frankreich und Deutschland [1961–1978], Deutschland und Polen [1970–1990], Österreich und Italien [1978–1991] sowie zwischen Finnland und Schweden als intellektuell-politische Unternehmen, die im Dienste der Vorbereitung der europäischen Integration unternommen wurden.) Und wir könnten die Aufzählung der strategischen – Europa- und nationalstrategischen – Themen, welche das Europa Institut Budapest im Rahmen der von ihm organisierten internationalen Konferenzen auf die Agenda setzte, noch lange fortsetzen. Und das war das Jahrzehnt in der Geschichte des Instituts als wir unsere „Publikationsaktion” starteten: 1995 initiierten wir die Veröffentlichung der Buchreihe „Begegnungen” (1995–2009 sind insgesamt 30 Bände erschienen), die die Konferenzmaterialien zu Europa- und Nationalstrategien sowie die Texte der im Institut gehaltenen Vorträge enthielten. (Unter den zuletzt veröffentlichten Bänden werden in drei Volumen, die ins Englische übersetzt wurden, die Auswirkungen der Erweiterung in Richtung Balkan behandelt.) Somit können wir festhalten, dass in den Jahren 1995–2005 – dem können wir noch hinzutun, dass sich diese Periode letztendlich bis 2009 hinzog – die ansehnlichsten Leistungen des Instituts in den Bereichen Konferenzorganisation und Redigieren von fremdsprachlichen Publikationen erzielt wurden. Dabei rückte das Stipendium-Programm in den Hintergrund. Zu einem, weil einfach keine entsprechend ernste Nachfrage für das von uns angebotene Stipendium-Programm bestand. Es wurden ja bereits an allen Ecken und Enden Europas Stipendien vergeben, die staatliche Sphäre übernahm von der Privatsphäre die zuvor von ihr erfüllte Funktion der Stipendiumvergabe – sowohl im Westen als auch im Osten.“ (F. G.)

3. Dritter Abschnitt: Der Versuch zur Errichtung eines europäischen einheitlichen Bildungssystems – Mit voller Kraft voraus in Richtung der universitären Lehre (2005–2010)

2005 konnte das Europa Institut Budapest einen weiteren wichtigen Beitrag zur Ausbildung einer europäischen Intellektuellenschicht, somit zur Verwirklichung einer der Zielsetzungen des Instituts und der Gründer leisten, und zwar mit einer aktiven universitären Präsens bzw. Lehrtätigkeit im Rahmen der Ausbildung auf BA-, MA-, und postgradueller Studienebene an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. Die universitäre Lehrtätigkeit erstreckt sich auf die folgenden Fachbereiche: 1.) Museologen-Ausbildung – der Direktor des Instituts war als Begründer des Fachs Museologie an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest als Universitätsprofessor der Fachs bereits zuvor hier aktiv tätig; 2.) Wissenschaftsgeschichte: Unterricht des Fachs Historiographie (seit 2007 zum Pflichtfach ernannt); 3.) vom Europa Institut Budapest im Rahmen des MA-Studiengangs gestartete Fachrichtung zum Studium der Geschichte und des Institutionssystems der europäischen Integration (die Lehre beginnt nach Abschluss der Vorbereitungsphase und der Akkreditierung im Jahre 2009). Mit der universitären Lehrtätigkeit konnte das Institut ernsthafte Ergebnisse erreichen, insbesondere da das vorgesetzte Ziel die in Form von Diskussionen, bzw. Werkstattgesprächen geführte Lehrtätigkeit war, bei der Fachexperten der einzelnen Themenbereich eingeladen wurden, Vortrage zu halten und gemeinsam mit den Studenten an den Diskussionsrunden teilzunehmen.

„2005 wechselten wir den Kurs: Wir wandten uns mit vollem Einsatz der universitären Lehre zu. Dies war die Zeit als die Europäische Union das neue einheitliche Bildungssystem schuf, somit das zweistufige System der BA- und MA- Studiengänge, und 2008 in den Mitgliedstaaten einführte. (Es bot sich uns die Gelegenheit eigene, persönliche Erfahrungen hinsichtlich der Entwicklung dieses Vorhabens zu sammeln, wobei wir den Leitgedanken dieses Bestrebens von je her enthusiastisch bejahten. Denn dies bedeutete, dass ein System der Intellektuellenbildung errichtet wird, bei der von Bukarest bis Dublin gleichwertige Diplome vergeben werden und die Hochschulausbildung auf dem gleichen Niveau gewährleistet wird, d.h. innerhalb der Europäischen Union wäre die Kompatibilität der zukünftigen Generationen der Intellektuellen gesichert.) Dies war der Zeitpunkt als der Stiftungsrat des Instituts entschied, dass wir uns neben der Fortsetzung unserer postgraduellen Bildungsprogramme ebenfalls in die graduelle Ausbildung eingliedern sollen, sofern sich hierfür eine Möglichkeit bietet. (Dies geschah auf die persönliche Initiative eines unserer Mitbegründer, Senator Dr. Herbert Batliner. Und das war auch, was uns zur Teilnahme an der universitären Lehre – sowohl auf gradueller als auch auf postgradueller Ebene – bewegte, wie auch die Tatsache, dass unser Institut im August 2006 von Herrn Prof. László Bitó eine bedeutende Unterstützung erhielt – wobei einer der Zielbereiche der Förderung gerade die Ausbildung einer Intellektuellenschicht ist, die sich weltweit zu etablieren vermag.) Es standen drei Themenbereiche zur Auswahl, welche dafür geeignet waren uns den Eintritt in die universitäre Lehre zu ermöglichen. (Alles in allem funktioniert die Hochschulausbildung ähnlich wie ein Marktplatz, wo ein Wettbewerb um die Vorrechte der Verkaufsstände – somit um die Lehrstühle und die Studieneinheiten – betrieben wird.) Der erste Themenbereich war die Museologen-Ausbildung – der Direktor des Instituts war als Begründer des Fachs Museologie hier bereits präsent. Der Zweite war die Wissenschaftsgeschichte (die Historiographie, also die Geschichte der Geschichtsschreibung), die innerhalb dieses EU-Bildungssystems seit 2007 zum Pflichtfach ernannt wurde und der Direktor wie auch mehrere Mitarbeiter des Instituts bereits in den internationalen Kommissionen dieses Fachbereichs vertreten sind). Der Dritte war das von uns angebotene Studium „Einführung in die Geschichte und das Institutionssystem der europäischen Integration” auf der MA-Bildungsstufe. Somit begannen wir 2009 den universitären Unterricht und konnten bald ernsthafte Ergebnisse vorweisen. Wir berichteten zuvor ebenfalls darüber welchen positiven Widerhall die Einführung dieser neuen Form des Unterrichts hatte, wo gemeinsam mit den Studenten ebenfalls die Professoren und Assistenten des Instituts sowie eingeladene Gäste an den Seminaren teilnahmen und so die Lehrveranstaltungen jeweils in Form von Werkstattkonferenzen abgehalten wurden.

September 2010 erfolgte sodann eine Wende im Bildungssystem. Die staatliche Finanzierung der Hochschulausbildung wurde umstrukturiert, die Zahl der Studenten an den philosophischen Fakultäten sollte vermindert und parallel die Studentenzahl in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik gesteigert werden. Zweifellos erfordert die neuere industriell-technischen Revolution, die Verbreitung bzw. Entfaltung der Informationsgesellschaft umfassende technische und naturwissenschaftliche Kenntnisse; die Nachfrage nach den Berufen in diesen Fachbereichen steigt eindeutig an; und die Prioritätsfelder der staatlich finanzierten Ausbildung müssen entsprechend geändert werden. Man muss aber ebenfalls sehen, dass in Europa die Berufe, die eine hohe technische Ausbildung erfordern, ebenso von der Intellektuellen-Arbeitslosigkeit betroffen sind – wie auch die USA mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben, denn es sind die aus China und Indien einströmenden jungen Leute, die die Leerstellen in diesen Berufszweigen füllen. Wir müssen ebenfalls einsehen, dass nur wenige die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe wählen, die von ihnen stärker belastende geistige und physische Leistungen erfordern; zugleich aber übersteigt die Zahl der Bewerbungen an den philosophischen Fakultäten, die im Anschluss an die Ausbildung im Berufsleben ein menschenwürdigeres Leben bieten, die Kapazitäten dieser Hochschuleinrichtungen. (Auch das gehört zu den „Errungenschaften“ der Sozial- und Wohlfahrtsgesellschaft.) Aber auch das Folgende lässt einem keine Zweifel: Dadurch, dass der Staat – um Kosten einzusparen – gezwungen war seine Aktivitäten im Förderungsbereich öffentliche Kultur (Kunst, populärwissenschaftliche Leistungen und sogar Bildung) generell einzuschränken, werden in Zukunft weniger Fachexperten mit geisteswissenschaftlicher Ausbildung benötigt (Lehrer, Literaten, Historiker usw. und die Zahl der Arbeitslosigkeit unter den jungen Intellektuellen in diesen Berufen ist bereits heute enorm hoch).“ (F. G.)

4. Abschnitt: Schwerpunkt Werkstattarbeit und elektronische Publikation (ab 2011)

Das Europa Institut Budapest ist seit seiner Gründung im Jahre 1990 den Gründungsgedanken und den ursprünglichen Zielsetzungen treu geblieben – denn diese haben kaum etwas von ihrer Aktualität eingebüßt. In den vergangenen 20 Jahren sind es stets die Tätigkeitsformen gewesen, die den aktuellen Umständen angepasst gewählt wurden, um gerade diese Zielsetzungen bestmöglich zu verwirklichen. Auch 2011, nach dem 20-jährigen Bestehen des Institutes ist es nicht anders. Das Europa Institut Budapest wünscht weiterhin Foren für Dialog, Diskussion und dem Vertreten und Debattieren von Meinungen zu gewährleisten, und zwar im Rahmen von gezielten Werkstattgesprächen, so z. B. im Rahmen des Europa Klubs des Europa Institutes Budapest, wo die Erwartungen und Vorstellungen der lokalen Gemeinschaft mit den realen Gegebenheiten konfrontiert werden können. Auch in Zukunft sollen die folgenden Themenschwerpunkte weiterhin vorrangig und in einem internationalen Kontext behandelt werden: europäische Integration, Wandel der natürlichen Umgebung, sozialer Wandel in Mittelosteuropa – Donauregion – sowie die historische Versöhnung in Mittelosteuropa. Die Teilnahme des Institutes an der universitären Ausbildung wird ebenfalls fortgesetzt, wobei es abzuwägen gilt, ob die auf diesem Gebiet eingesetzten Kräftepotentiale nicht eher in anderen Bereichen effektiver eingesetzt werden können. Es muss zur Kenntnis genommen werden, dass die Eötvös-Loránd-Universität sich derzeit nicht in der Lage befindet verbindliche Verpflichtungen einzugehen, und zwar trotz der Tatsache, dass sie für die von uns angebotenen Lehrinhalte sehr wohl dienliche Anwendung finden würde. Eine weitere, wichtige und vorrangige Tätigkeitsform ist die Neugestaltung unseres Publikationssystems, vor allem da die Zukunft in der elektronischen Publikation liegt – vor allem in Verbindung mit den vom Europa Institut präferierten Themen-bereichen. Die Buchreihe „Begegnungen“ soll ebenfalls fortgesetzt werden, die Veröffentlichung soll aber präferiert in Form eines E-Buches geschehen.

Schlussfolgerung für die Zukunft (2012):

„1.) Die wachsende Distanz zwischen Politik und Zivilgesellschaft: „Wir nehmen zur Kenntnis – und zwar trotz unserer Zweifel am Erfolg dieses Vorgangs –, dass sich das Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft verändert hat. Auch uns ist es bewusst, dass angesichts der neuen weltwirtschaftlichen und globalen sozialen Spannungen sowie in Folge der in Europa anbrechenden demographischen Katastrophe – die Alterung der Gesellschaft – die Politiker nach Wegen suchen müssen, um die neue und vornehmliche Rolle des Staates festzulegen. Aber: wir sind weit weniger überzeugt über den Erfolg der staatlichen Einmischung, um die gesellschaftlichen und wirtschaftliche Konflikte in Europa zu lösen, die – unserer Meinung nach – nicht durch politische Fehler herbeigeführt wurden… Wir befürchten – und die ersten Zeichen in diese Richtung sind bereits wohl sichtbar –, dass diese Auffassung zu einem neuen Etatismus führen wird, welches übermäßiges Vertrauen in das Kraftpotential des Staates und der Politik setzt. Und wir befürchten ebenfalls: Diese neue, staatlich zentralisierte Krisenbekämpfung in Europa kann sehr leicht an den Peripherien Europas zur Abwertung von Demokratie, der Bedeutung der Machtverteilung und der Fähigkeit der Zivilgesellschaft zur Lösung von Krisensituationen führen – wobei die ersten Zeichen in diese Richtung bereits heute wohl sichtbar sind. (Und Ostmitteleuropa sowie den Balkan rechnen wir zur Peripherie Europas, wo die Institutionen der Demokratie nicht entsprechend standfest ausgebildet sind, zumal in der sowjetischen Besatzungszone die Alltagspraxis der Demokratie zurückgedrängt wurde. Es ist zu befürchten, dass die junge Generation, die die Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre kritisiert – und zwar mit Recht –, nicht die zu schwache Ausbildung der Demokratie beklagt, sondern diese überhaupt als überflüssig betrachtet.) Das Argument der latenten aber wahren Gegner der Demokratie lautet: Die Zivilgesellschaft und die Demokratie schwächen die effektive Handlung der Exekutivmacht… Inmitten der neuen Krisenbekämpfung kann die junge Generation der Politiker leicht zu der Auffassung gelangen den Staat mit der Politik, den Parteiforen, somit mit sich selber, gleichzusetzen. Diese Generation glaubt nicht an die Agora jenseits des Wirkungskreises der Politik, wie sie auch an ihrem Kraftpotential zur Krisenbekämpfung nicht glaubt. Und sie eliminiert den im Laufe der vergangenen 60 Jahre innerhalb der europäischen sozialen Wohlfahrtsgesellschaft ausgebauten Dialog zwischen Parteipolitik, staatliches Verwaltungswesen und Zivilgesellschaft (also die Intellektuellen).

2.) Das Strategie-Defizit der Europäischen Union: Der erste Abschnitt des europäischen Vereinigungsprozesses – die Integration – wurde 2007 abgeschlossen: die Staaten der ehemaligen sowjetischen Zone – die vor der sowjetischen Besatzung westlichen Typs waren – traten der Europäischen Union bei. Das Institut hat dabei ein gutes Stück Arbeit geleistet. Das besondere Glück unserer Generation – dass wir uns an dieser Wiedervereinigung beteiligen konnten – haben wir vollends genutzt. Jetzt beginnt ein neues Zeitalter im Leben des Kontinents. Zum Teil die Weiterentwicklung der Einrichtung der Union, und zum Teil das Vierteljahrhundert der lokal-regionalen Kleinarbeit. Die alte Bürokratie – sowohl auf der Ebene der Nationalstaaten als auch auf Unionsebene – hat die Weiterentwicklung für überflüssig erachtet, doch die durch die Wirtschaftskrise herbeigeführten sozialen Konflikte machen es dringend erforderlich, dass diese Fragen auf die Agenda gesetzt werden, wie dies bereits im politischen Alltag diskutiert wird. Unsere zwei grundlegenden Fragen lauten wie folgt: a.) Der Weg zur Zentralisierung, in Richtung der Vereinten Europäischen Staaten oder eine Rückentwicklung der Europäischen Union zu einer simplen finanziellen und wirtschaftlichen Union von Nationalstaaten. (Hierbei würde man den Nationalstaaten freies Geleit geben, damit sie im planetaren Raum die „Segel straffen“ können. Dies Letztere würde meiner Meinung nach das Verschwinden der eigenständigen Kulturen der kleinen Nationen binnen weniger Jahrhunderte bedeuten: es ist tragisch, dass gerade die sog. nationalen konservativen Entscheidungsträger der kleinen Nationen zu diesem Standpunkt geneigt sind … b.) Wie können die lokalen Interessen in der kontinentalen bzw. Weltpolitik artikuliert werden. Denn bei den Debatten über die Wirtschaftskrise geht es auch darum, dass die lokalen Interessen auf irgendeine Weise zum Ausdruck gelangen müssen und es muss irgendein Forum – Europa Forum – geschaffen werden, wo die lokale Gesellschaft mit der Realität oder Irrealität ihrer Erwartungen und Vorstellungen konfrontiert wird.

3.) Die neuen Möglichkeiten der Revolution der Berührungskultur: Die nächsten Jahrzehnte werden im Zeichen der Revolution der wunderbaren globalen Berührungs(Kultur) verlaufen – in erster Linie in Folge der Entwicklung des Internets (Internetkultur) und des Skyphone. Und unsere Generation kann sich besonders glücklich schätzen, dass sie in ihren älteren Jahren erleben durfte, ein neues Lehrprogramm zu schaffen. Für sich selber. Und sie darf ihre geistige Kraft daran ermessen, ob sie noch dazu fähig ist am Experiment zur Ausbildung einer neuen Ausdrucks- und Vermittlerkultur, der neuen Darstellungsformen, teilzunehmen und hierzu einen eigenen Beitrag zu leisten. Denn diese neue Kulturrevolution – die digitale und Internetrevolution – nahm zweifellos in Folge der Entwicklung der neuen Systeme der Informationstechnik ihren Anfang, im Endeffekt aber wird sie die gesamte Berührungskultur der Menschheit verändern. (Wir sprechen aus diesem Grund über die Revolution der Berührungskultur.) Und das umfasst weit mehr als die massenhafte Verbreitung der Schriftlichkeit, oder die durch einen Teilbereich dieser – so z.B. den Buchdruck – bedingte Veränderungen in der Geschichte der Menschheit. Dies bietet auch denen, die außerhalb den kulturellen-bildungsbezogenen-wissenschaftlichen Instituten leben und vor allem für die älteren Generationen der Intellektuellen – enorme neue Möglichkeiten. Wir, Forscher-Autoren, müssen nicht länger Intellektuelle sein, die in einer Organisation – innerhalb des nationalstaatlichen Rahmens in Behörden und Institute – eingebunden sind. (Es ist allgemein bekannt, dass sich mittlerweile überall auf der Welt Klubs bilden, und zwar über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg und unabhängig von der Gestaltung, Organisation und Abwicklung von kulturellen Programmen – oder persönlichen Treffen.) (F. G.)