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Veranstaltungen 2006–2007

Juni 2006–Juni 2007

Begegnungen
Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest, Band 28:258–264.

  

Sitzung des Stiftungsrates (9. Juni 2006)

Feierliche Übergabe des Mittelkreuzes des Verdienstordens der Republik Ungarn an O.Univ.Prof.Dr. Horst Haselsteiner (9. Juni 2006)

Im Anschluss an die Sitzung des Stiftungsrates des Europa Institutes wurde O.Univ.Prof.Dr. Horst Haselsteiner, Mitglied des Stiftungsrates, das Mittelkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn durch Prof. Ernő Marosi, Vizepräsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, feierlich überreicht.

Der Präsident der Republik Ungarn, Dr. László Sólyom, verlieh am 18. Mai 2006 das Mittelkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn an Dr. Horst Haselsteiner, Universitätsprofessor der Universität Wien, Mitglied des Stiftungsrates des Europa Institutes Budapest. Laut Urkunde erhielt Prof. Haselsteiner diese hohe ungarische staatliche Auszeichnung für seine Tätigkeit als Mitglied und Vizepräsident des Kuratoriums der Stiftung Aktion Österreich-Ungarn für Wissenschafts- und Erziehungskooperation, bzw. für seine hervorragenden Leistungen in der Vertiefung der österreichisch-ungarischen wissenschaftlichen Beziehungen.

An der feierlichen Übergabe nahmen Attila Meskó, Generalsekretär der UAW, Georg Kilzer, Vertreter des Botschafters der Republik Österreich, Ágnes Schnaider, Leiterin der Aktion Österreich-Ungarn neben den Stiftungsratsmitgliedern und Leitern des Europa Institutes Budapest teil.

Sitzung des Wissenschaftlichen Beirates (6. September 2006)

 

1. Konferenzen

 

Die ungarische Revolution von 1956 in der Weltpolitik (7. September 2006)

(Gemeinsame internationale wissenschaftliche Tagung des Europa Institutes Budapest und des Institutes für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.)

Die Jahressitzung des Wissenschaftlichen Beirats des Europa Institutes Budapest findet nunmehr seit zwei Jahren in Verbindung mit einer internationalen wissenschaftlichen Tagung statt. Das Thema wird jeweils im Vorjahr nach Anhörung der Vorschläge von den Beiratsmitgliedern gemeinsam festgelegt. Neben Aspekten wie Aktualität, internationale Bezogenheit, öffentliches und wissenschaftliches Interesse fällt die Entscheidung immer öfter auf Themen, die bereits mit Hinsicht auf die verschiedenen Aspekte tiefgehend behandelt wurden, aber selten als ein Teil, ein Bruchstück von Länder und Kontinente übergreifenden Prozessen, internationalen Tendenzen – sowohl politische, soziale, die natürliche und die technische Umwelt betreffende Tendenzen – präsentiert wurden. Im Jahr 2005 fand eine internationale Wissenschaftstagung mit dem Titel „Die 50. Jahreswende des Österreichischen Staatsvertrages” statt. Im Jahr 2006 sollte – somit wenig überraschend – die 50. Jahreswende der Revolution in Ungarn von 1956 im Rahmen einer internationalen Konferenz erinnert werden, wobei es zu bemerken ist, dass die beiden Ereignisse nicht unabhängig voneinander behandelt werden können. Im Einklang mit dem klar deklarierten Ziel der Veranstalter boten diese Konferenzen in erster Linie nicht nur einen Einblick in die konkreten Ereignisse, sondern betteten diese in eine internationale, sogar globale, multidimensionale Umgebung ein.

100 Teilnehmer

Richtungssuche beim Balkanprojekt: Wie weiter im Jahre 2006/2007 (16. November 2006)

(Gemeinsame Konferenz des Europa Institutes Budapest und des Programmkomitees der Nationalen Strategischen Forschungen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften)

Im Rahmen eines mit Arbeitsessen verbundenen Werkstattgesprächs wurde über die bisherigen Ergebnisse und Erfolge des Balkanprojekts berichtet und gleichzeitig wurde über die für die Zukunft geplanten Aktionen diskutiert. Hierbei ging es um die Wahl der Themen der kommenden Veranstaltungen, der Teilnahme an gemeinsamen Projekten und der Kooperation zwischen den Anwesenden und den von ihnen vertretenen Organisationen. EP-Abgeordnete Szabolcs Fazakas sprach in einem Vortrag darüber wie sich das Budget der EU gestaltet mit besonderer Hinsicht auf Südosteuropa.

Ferenc Glatz, der Präsident des vor einem Jahr gegründeten Zentrums für Balkanforschung, bot in seinem einführenden Vortrag einen Überblick der Tätigkeit und der Veranstaltungen des Zentrums für Balkanforschung. Er sprach über die bisherigen Erfolge und über die Pläne für die weitere Tätigkeit des Zentrums, wobei er die Anwesenden zu einem Mitdenken, zu einem Meinungsaustausch aufrief. In seinem Vortrag betonte er, dass Ungarn in Folge der südöstlichen Erweiterung der EU eine neue, eine neu zu bewertende Position innerhalb der Union einnehmen wird und somit mit der südosteuropäischen Union ein neues Verhältnis ausbauen sollte. Die Chance, dass nunmehr Ungarn entlang einer der Hauptrouten der EU liegt soll nicht ungenützt bleiben. Der EP-Abgeordnete, Szabolcs Fazakas, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Das Budget der Europäischen Union – die Aussichten für Südosteuropa”, in dem er einen Einblick in die Vorgeschichte der Ausarbeitung des Budgets bot und die spezifischen Aspekte des angenommenen Budgets erläuterte. Er betonte die Bedeutung eines Kooperationsvorhabens zwischen den Staaten, die entlang der Donau liegen sowie die vermittelnde Rolle, die Ungarn zwischen der Europäischen Union und den Staaten Südosteuropas übernehmen kann. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass mit Bezug auf das Budget die südosteuropäischen Kandidatenländer sowie die potentiellen Kandidatenländer keine Priorität genießen.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem András Gálszécsy, ehemaliger Minister ohne Portefeuille für Sicherheitsdienste; Béla Kádár, ehemaliger Wirtschaftsminister; Mária Kóródi, ehemalige Ministerin für Umweltschutz und Wasserwesen; Ferenc Ligetvári, ehemaliger Minister für Umweltschutz, Frigyes Nagy, ehemaliger Minister für Agrarwesen; Ferenc Somogyi, ehemaliger Außenminister; Rudolf Czelnai, István Láng, Pál Michelberger, sie alle ordentlichen Mitglieder der UAW; Ernő Marosi, Vizepräsident der UAW; Attila Meskó, Hauptsekretär der UAW; Fachexperten des Büros des Ministerpräsidenten, der Ministerien für Bildung, Agrarwesen und Wirtschaft.

60 Teilnehmer

Die Donau als Tor zum Balkan (19. Dezember 2006)

(Gemeinsame Konferenz des Europa Institutes Budapest und des Amtes des Ministerpräsidenten)

Der einführende Vortrag von Direktor Ferenc Glatz gab einen Überblick der Geschichte der Donauforschung in den 90er Jahren. Das in 1997 gestartete Donauprogramm wurde von zwei „Katastrophen” heimgesucht. Die eine war, dass im Laufe der Parlamentswahlen in 1998 die Frage des Donaukraftwerkes Bős-Nagymaros in die politischen Diskussionen einbezogen wurde. Der Bau des Kraft- und Stauwerks bietet die Voraussetzungen für die Befahrbarkeit der Wasserstrecke der Donau zwischen Wien und Budapest. Der Niederlage der Regierungskoalition fiel der gesamte Donauregelungsplan ebenfalls zum Opfer. (Keiner der später amtierenden Regierungen wagte es dieses Thema auf seine Agenda zu setzen.) Die zweite Katastrophe war der Krieg in Serbien (1999), in Folge dessen es unmöglich war wesentliche Unterredungen über die Befahrbarkeit der unteren Donau zu führen. Heute, zur Zeit der europäischen Integration der südosteuropäischen Region kann das Programm zur Regelung des Donautals nicht weiter hinausgeschoben und umgangen werden. Das Donauprogramm wurde – zuvor – in vier Teilprogramme unterteilt. 1.) Die Donau als 7. europäischer Korridor, und somit eines der Instrumente beim Erweiterungsprozess der europäischen Integration. Ein über die Grenzen hinaus schreitendes Programm wird auf jeden Fall die Aufstellung eines internationalen Arbeitskomitees erfordern, wobei dieses Komitee (mit Sitz in Wien oder Budapest) kontinuierlich Absprachen halten und Monitoring-Verfahren zu den auf dem Gebiet der einzelnen Nationalstaaten durchzuführenden Aktionen der Donauregelung leisten muss. 2.) Die Donau gehört in den Fachbereich der Wasserbewirtschaftung, wobei dieser Fragenkreis mit Hinsicht auf die Hochwasser, die Wasserqualität, die Umweltwirtschaft im Küstenbereich, die Fischerei ausgearbeitet werden muss. 3.) Die Donau ist ein Verkehrs- und vor allem ein Gütertransportkorridor, welcher eine Schlüsselrolle mit Bezug auf den Handel zwischen dem Mittelmeerraum und Westeuropa spielen kann. 4.) Die Donau ist ebenfalls eine Arena für das Zustandekommen von regionalen kulturellen Kooperationen, da doch das Donautal seit Jahrhunderten als Ort für interethnische Berührungen galt und bis heute als solcher gilt. Das Donautal kann zur Demonstration des europäischen Erbes angewandt werden. – Der im Rahmen der Konferenz verlautete Vortrag ging auf die Positionierung des Donautals in den INTERREG Programmen, den Vorzügen des Transports auf Wasserwegen – Rentabilität und Umweltfreundlichkeit – gegenüber anderen Transportrouten auf dem Festland (Eisenbahn, Autostraßen) ein. Der Vortrag verwies auf die Anknüpfungspunkte zwischen den Charakteristiken der Siedlungsstruktur im Donautal sowie einem zukünftigen Donauprogramm und den prioritär behandelten großen ungarischen Territorialentwicklungsprogrammen (Regelung der Theiß, Balaton, Entwicklungsprogramm für das Große Ungarische Tiefland usw.).

50 Teilnehmer

Zwischen Unabhängigkeit und Autonomie. Kosovo: europäische und ungarische Perspektiven (13. April 2007)

(Gemeinsame Konferenz des Europa Institutes Budapest, des Programmkomitees für Nationale Strategische Forschungen der UAW und des Europa Institutes Budapest)

Ausländische und ungarische Experten für Außenpolitik, ehemalige Außenminister Ungarns, Botschafter und Vertreter des diplomatischen Corps der südosteuropäischen Länder sowie außenpolitische Korrespondenten nahmen neben den Historikern und Interessenten der Konferenzreihe an der Veranstaltung teil. Ferenc Glatz betonte, dass eines der wichtigsten Ziele des Zentrums für Balkanforschung es ist die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger auf die Balkanregion zu lenken und einen Richtungswechsel der außenpolitischen Prioritäten zu bewirken. Hierbei können die geopolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Wechselbeziehungen zwischen den Nachbarländern der Region nicht außer Acht gelassen werden. Die Kooperation unter den Intellektuellenkreisen sowie den Vertretern der Staatsverwaltungen der einzelnen Länder der Region, die Verwirklichung von grenzüberschreitenden Projekten bietet den in der Region lebenden Menschen die Möglichkeit an den sich ihnen in Folge der euro-atlantischen Integration bietenden Chancen Anteil zu haben. Iván Udvardi, Staatssekretär des Außenministeriums zeichnete die Hauptprinzipien auf, die von Ungarn, den Ländern der Balkanregion sowie Kosovo gegenüber vertreten werden. Er betonte, dass das Hauptziel der von Ungarn vertretenen Außenpolitik es ist die Stabilität Serbiens, Kosovos und der gesamten Westbalkanregion zu sichern. EP-Abgeordnete Kinga Gál sprach über den von der EU vertretenen Standpunkt Kosovo betreffend. Sie verwies darauf, dass die Lösung der Kosovo-Frage durch die Eingliederung der Region in den euro-atlantischen Integrationsprozess erreicht werden könnte. Professor Tibor Várady, Central European University, gab eine Analyse der minderheitsrechtlichen Aspekte der Frage. An dem anschließenden Rundtischgespräch der Historiker nahmen Imre Ress, wiss. Hauptmitarbeiter des Institutes für Geschichte der UAW, József Juhász, Universitätsprofessor an ELTE sowie wiss. Hauptmitarbeiter des Institutes für Geschichte der UAW, Krisztián Csaplár, Assistent an ELTE teil.

110 Teilnehmer

Donau-Werkstattgespräch zu einem neuen Projekt (15. Mai 2007)

(Gemeinsame Veranstaltung des Amtes des Ministerpräsidenten)

Im Rahmen der Werkstattberatung boten die anwesenden Fachexperten einen Überblick zu den in Ungarn sowie mit ungarischer Teilnahme laufenden Donauprojekten. Sie zeichneten die wichtigsten Fragestellungen und Problembereiche des Themas auf. Zu diesen gehörten die Befahrbarkeit der Donau für die Schifffahrt, die gegenwärtige Situation des Transports auf den Wasserwegen, die Kapazität und der Zustand unserer Häfen. Während der Beratung wurde vorgeschlagen eine einheitliche Datenbasis zu erstellen, welche alle Donauprojekte aufgreifen sollte. Zukünftig sollen ebenfalls Konferenzen organisiert werden, die als Forum für alle Organisationen Selbstverwaltungen und Regionen diesen soll, die sich mit der Donau beschäftigen. Schlussfolgerung: In der Region sind mindestens ein Dutzend Donau Kommissionen und unzählige – zumindest formell existierende – Donau-Forschungsgruppen tätig. Keiner hat jedoch einen angemessenen Überblick bezüglich der entsprechenden, in den Ländern entlang der Donau befindlichen Institutionen. Bevor also die ungarische Regierung sich für die Ausarbeitung jeglichen komplexen Ordnungsplanes für die ungarische Donaustrecke entscheidet, muss sie zuerst über einen Überblick bezüglich der deutschen-österreichischen-slowakischen-rumänischen-serbischen-bulgarischen Werkstätten der Donauforschung verfügen.

Teilnehmer der Werkstattberatung waren: Ferenc Glatz, Gyöngyvér Völgyes (Donau Kommission), László Cser (Corvinus Universität), György Misur (Botschafter a.D.), Lajos Veres (Hochschule Dunaújváros), Mária Kóródi (Ministerin für Umwelt a.D.), József Váradi (Ministerium für Umweltschutz und Wasserwesen), Zoltán Simonffy (Corvinus Universität), Margit Balogh (Sozialforschungszentrum der UAW), Attila Harkai (Sozialforschungszentrum der UAW) sowie die Programmleiter des Zentrums für Balkanforschung: Attila Pók, Antal Andrea.

25 Teilnehmer

Die Balkanpolitik Russlands (28. Juni 2007)

(Gemeinsame Konferenz des Europa Institutes Budapest und des Programmkomitee für Nationale Strategische Forschungen der UAW sowie des Institutes für Geschichte der UAW)

Im Rahmen der Konferenz hielten Konstantin Nikiforow, Direktor des Institutes für Slawistik und Balkanstudien (Moskau), Árpád Székely, Botschafter der Republik Ungarn in Moskau, und Zoltán Sz. Bíró, wiss. Hauptmitarbeiter des Institutes für Geschichte der UAW einführende und zur Diskussion anregende Vorträge. Die Referate und die anschließenden Wortmeldungen beschäftigten sich mit dem Zusammenhang zwischen den in Europa geführten Diskussionen über die Öl- und Gastransportrouten und der machtpolitischen Lage auf dem Balkan. Ein weiteres oft und vielseitig angesprochenes Thema war die Kosovo-Frage, der mögliche Einfluss der Unabhängigkeitsbestrebungen Kosovos auf die Beziehungen zwischen Russland und Georgien. Es wurde hervorgehoben dass eine eventuelle Unabhängigkeit Kosovos zur Eingliederung der von Georgien entfremdeten Süd-Ossetien und Abhasien in Russland führen könnte. In diesem Fall sollte man auch mit Turbulenzen unter den nordkaukasischen Völkern Russlands rechnen. Die albanischen Minderheiten in Mazedonien und Montenegro könnten ebenfalls einen Einfluss auf die politische Lage auf dem Balkan haben. Trotz der Wichtigkeit dieser Fragen gab es Einverständnis darüber, dass die Balkanregion nicht im strategischen Richtungsfeld der russischen Außenpolitik liegt, wobei die russischen politischen Bewegungen auf dem Balkan als Mittel für andere russische machtpolitische Zielsetzungen zu werten sind. Unter den hochrangigen Teilnehmern erschienen die Botschafter sowie die Vertreter der Botschaften Russlands, Litauen, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Slowenien, Bulgarien, der USA, Italien und Belgien. Ebenfalls vertreten waren hochrangige Vertreter des Amtes des Ministerpräsidenten, des Außenministeriums, der verschiedenen Fachkomitees des Parlaments sowie zwei ehemalige ungarische Außenminister.

120 Teilnehmer

 

2. Vorträge

 

Dr. Walter Pietsch (Deutschland): Das Königreich Ungarn nach dem Ende der Osmanenherrschaft: die Ausgangssituation für die deutsche und jüdische Einwanderung (7. November 2006)

(Gemeinsame wissenschaftliche Tagung des Europa Institutes Budapest und des Institutes für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.)

Der Vortrag gab eine Einführung in eine langfristig angelegte Forschung von Dr. alter Pietsch, deren Ziel es ist die Rolle der Juden und Deutsche als Ersatzbürgertum im Königreich Ungarn vom 18. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu untersuchen. Die zentrale Fragestellung der Forschung ergründet die Ursachen für den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg des ungarischen Judentums in einem Zeitraum als die Juden in den Nachbarländern (Polen, Galizien, Russland) eine Niedergangs- und Verarmungsperiode durchlebten. Seine Hypothese lautet: Die historische Ausgangssituation gab mit der Wiederherstellung des antiquierten ungarischen Ständestaates als nationalen Rahmen den Raum frei für die Ansiedlung von Zuwanderern, die aus dem höher entwickelten österreichischen Erbländern und aus dem Deutschen Reich entstammten. Diese Zuwanderer besaßen die nötigen Voraussetzungen dafür, mit welchen sie insbesondere in den Städten die modernen Funktionen versehen konnten, die mit den Kräften und Potential des ungarisch-adligen Ständestaates allein nicht hinreichend geleistet werden konnten. Diese Bedingungen waren in den erwähnten Nachbarländern nicht vorhanden.

30 Teilnehmer

Prof. Dr. István Deák (Columbia University, New York): Das 50. Jubiläum der Ungarischen Revolution von 1956 – aus US-amerikanischer Perspektive(11. Mai 2007)

(Gemeinsame wissenschaftliche Tagung des Europa Institutes Budapest und des Institutes für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.)

Prof. István Deák besitzt einen weiten Überblick über die wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Veranstaltungen, die zum Anlass der 50. Jahreswende der ungarischen Revolution von 1956 in den Vereinigten Staaten und in Kanada stattfanden. Aus diesem Anlass wurde er eingeladen, um über seine Erfahrungen und Eindrücke zu dem wissenschaftlichen Stand der Forschungen zu der ungarischen Revolution von 1956 in den USA und Kanada zu sprechen. In seinem Vortrag gab er ebenfalls einen Überblick der kulturellen Veranstaltungen, der Produktionen der amerikanischen Filmindustrie und der US-amerikanischen und kanadischer Veröffentlichungen, die dieses Thema ansprechen und behandeln. Von den letzteren hob er Charles Gati’s Band mit dem Titel „Lost Illusions” hervor, welcher auf Grund der von Charles Gáti zum ersten Mal aufgearbeiteten CIA-Dokumente die von den USA gegenüber Ungarn vertretene Politik im Jahre 1956 äußerst kritisch beurteilt.

60 Teilnehmer

Prof. Dr. László Péter (University of London): Der „vergessene” Hintergrund von Trianon: Die Frage des Militärs(5. Juni 2007)

(Gemeinsame wissenschaftliche Tagung des Europa Institutes Budapest und des Institutes für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.)

Durch die Fallstudie der Frage der Armee analysierte Prof. Dr. László Péter die Politik der ungarischen liberalen Elite nach dem Ausgleich zwischen den Habsburgern und der ungarischen politischen Führungsschicht in 1867. Er verwies auf den kaum auflösbaren Konflikt der unterschiedlichen Loyalitäten unter den ungarischen nationalen Politikern. Einerseits war eine starke, gut organisierte Armee der dualistischen Monarchie eine Vorbedingung der stabilen Machtposition dieser Führungsschicht, andererseits waren die den nationalen Charakter der Armee stärkenden Forderungen (wie Sprachgebrauch) wichtig zur Bewahrung der Glaubwürdigkeit ihrer nationalen Politik. Die Fallstudie war ebenfalls für Forscher lehrreich, die sich mit der Untersuchung weiterer multinationaler Staaten beschäftigen.

50 Teilnehmer

Prof. Iván T. Berend (UCLA): Historische Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa: Erfolge, Misserfolge und Aussichten zur Jahrtausendwende(26. Juni 2007)

(Gemeinsame wissenschaftliche Tagung des Europa Institutes Budapest und des Institutes für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.)

In seinem an sein neues Manuskript anlehnend gehaltenen Vortrag bot Prof. Iván T. Berend eine Übersicht der wirtschaftlichen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa zurzeit der Jahrtausendwende. Er verwies auf die schwere wirtschaftliche und soziale Krise, die nach der Wende einsetzte und mit welcher sich die einzelnen Staaten der Region auseinandersetzen mussten. Hierbei hob er zwei Faktoren heraus: Zu einem unterlagen diese Staaten von einem Augenblick auf den anderen den global wirkenden Faktoren. Zum anderen mussten sie sich bewusst werden, dass ihre allzu idealisierten Erwartungen nicht oder nur teilweise realisiert werden konnten. Im Rahmen seines Vortrages präsentierte Prof. Berend seine Berechnungen bezüglich der Gesamtsumme der Zielförderungen in der Region für den Zeitraum 1992–2013, welche als Grundlage der Modernisierung genutzt werden könnte. (Dieser Betrag entspricht der Dollarsumme, welche den in der Region befindlichen Staaten nach 1947 im Rahmen des Marshallplanes zugänglich gewesen wäre – wenn sie nicht zu der sowjetischen Besatzungszone gehört hätten.) Der Vortrag bot im Weiteren einen Überblick der sozialen und vor allem allgemein kulturellen Konflikte, deren Ursachen darin zu suchen sind, dass die vor 1990 entstandenen Institutionen bereits zusammengebrochen, aber die neuen Institutionen noch nicht errichtet worden waren. Die Bedeutung der geistigen-kulturellen Faktoren wurde ebenfalls betont. Den Vortrag folgend entstand eine rege Diskussion zwischen Prof. Berend und zwei Dutzend der Zuhörer.

90 Teilnehmer