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Balkanforschung / Programmschrift

FERENC GLATZ

Die Renaissance der Balkan-Forschung, 2005

 

Zentrum für Balkan-Studien, Budapest

Am 24. Oktober 2005 wurde in Budapest das Zentrum für Balkan-Studien ins Leben gerufen. Das Zentrum ist ein virtuelles Forscher- und Managerinstitut (Institut „ohne Wände”), das im Rahmen des Budapester Europa Instituts über eine eigene Wissenschaftsverwaltung, eine eigene Wirtschaftsverwaltung und ein eigenes Publikationswesen verfügt. Das Zentrum entsteht mit finanzieller und infrastruktureller Unterstützung des Budapester Europa Instituts sowie des Programms „Nationale Strategische Forschungen“ der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Forschergruppe Europa-Studien (Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften). Gleich zu Beginn schlossen sich dem Zentrum mehrere Institute der Akademie und Lehrstühle der Universitäten an. Die Gründungsväter tragen die Erwartung, dass sich dem Zentrum Gruppen und Einzelpersonen aus Fachwelt und Unternehmerkreisen anschließen werden.

 

I.
Die Aufwertung Südosteuropas und des Balkans

 

1. Über unseren Balkan-Begriff

Wir sprechen von Südosteuropa, das das Karpaten-Becken und den „Balkan”, der sich südöstlich der Donau und der Karpaten erstreckt, umfasst.

Bei jeder Forschungstätigkeit ist es zuerst notwendig, die räumlichen und zeitlichen Grenzen der Forschung abzustecken. Dies trifft auch dann zu, wenn diese zeitlichen Grenzen oder die Bezeichnungen für den Raum umstritten sind, und auch dann, wenn wir wissen, dass sich gerade im Zuge der Forschungen die Bezeichnungen sowie die zeitlichen und geographischen Grenzen verschieben werden. Unser Forschungsbereich erstreckt sich vom Karpaten-Becken nach Südosten, bis zu den Meeren. Wir geben diesem Raum die Bezeichnung „der Balkan”, die von einem europäischen Geographen des 19. Jahrhundert stammt. (Er übernahm damals bzw. wir übernehmen heute damit den Namen des bulgarischen Balkan-Gebirges.) Wir verwenden diejenige physisch-geographische Kategorie, die die nördlichen Grenze des Balkan-Raums entlang der Linie Drau – Save – Südkarpaten – Donau zieht. Dementsprechend gehören zu diesem Raum auch die Gebiete des heutigen Kroatiens und Griechenlands, während des Territorium Rumäniens nur zum Teil berührt wird. Aber wir akzeptieren auch eine eingeengte kulturell-historische Interpretation unseres Forschungsbereiches, wobei in diesem Fall die vierhundertjährige osmanisch-türkische Besatzung die Trennlinie bildet. (Diese schloss die großen westlichen Geistesströmungen, nämlich Renaissance, Reformation und Aufklärung aus diesem Raum aus.) Ebenso kann auch die Unterscheidung von westlichem und östlichem (orthodoxem) Christentum eine kulturregionale Definition sein. (In diesem Falle kann Kroatien eher Mitteleuropa zugeordnet werden, Rumänien teils Mitteleuropa, teils dem Balkan.)

Natürlich sind uns die – bösartigen – wissenschaftlichen und politischen Diskussionen um die Begriffe „Südosteuropa” und „Balkan” in den vergangenen zweihundert Jahren bekannt. Wir wissen, dass der „Balkan-Begriff” der westeuropäischen Intellektuellen nicht bloß eine geographische Bezeichnung war. Die Völker, die westlich des Balkan-Raums lebten, sich als entwickelter betrachteten und über geregelte politische Verhältnisse verfügten, wollten sich auf diese Weise von ihren südöstlichen Nachbarn absetzen. Die Bezeichnung „Balkan” bildete bzw. bildet in gewissen Intellektuellenkreisen bis heute ein Synonym für „Kulturlosigkeit”, „Korruption”, „politische Anarchie” und „Pulverfass”. Die Geschichtsschreibungen und die Politiker der Völker, die in der als Balkan bezeichneten Region leben, hätten hingegen gerne betont, dass sie geistig zu den technisch-wirtschaftlich stärkeren westlichen Völkern gehören (oder gehören wollen). Deshalb mochten sie es nicht, wenn man sie als „balkanische” Völker bezeichnete.

Wir verwenden die Bezeichnung „Balkan” keinesfalls als Kategorie, die eine „Qualität” signalisiert. Für uns ist die genannte Balkan-Region – hinsichtlich ihrer natürlich-geographischen Eigenarten, der ethnisch-religiösen Zusammensetzung ihrer Bewohner und der Siedlungsstruktur – eine einzigartige und vielfältige geographische und soziale Einheit.

 

2. Geographische und kulturelle Vielfalt

Die starke landschaftliche Oberflächengliederung spielte bei der Konservierung der ethnisch-religiösen Vielfalt eine große Rolle und hatte eine wesentliche Funktion in der Entstehung isolierter kleiner Gemeinschaften. Ein Charakteristikum ergibt sich auch aus der Positionierung des Balkans zwischen den „Großräumen” des Kontinents, d.h. die Tatsache, dass der Balkan ein Gebiet ist, dass Europa und Kleinasien voneinander trennt und zugleich verbindet. Diese Lage bestimmte und bestimmt auch heute die Gegebenheiten in der Weltwirtschaft.

Folge dieser Positionierung ist auch, dass der Balkan fünfhundert Jahre hindurch das westliche Grenzgebiet des türkischen Reiches war, also gewissermaßen ein ständiges Berührungsgebiet zwischen dem deutsch-römischen und dem türkischen Reich. Diese fünfhundertjährige Geschichte bestimmte und bestimmt auch heute die soziale Gliederung der Region sowie die ethnisch-religiöse Vielfalt. Diesem Erbe ist zu „verdanken”, dass die Gesellschaft dieses Raumes sozial außerordentlich polarisiert ist und die ethnisch-religiösen Unterschiede hier einzigartig auf dem europäischen Kontinent sind. Dieser Raum wird von einer römisch-katholischen, griechisch-orthodoxen und muslimischen, ethnisch einzigartig vermischten Bevölkerung bewohnt. (Infolge der ständigen gegenseitigen Berührungen sind die Grenzbevölkerungen der größeren wirtschaftlich-politischen Reiche in allen Teilen der Welt ethnisch gemischt.)

Der dritte Faktor, der die Erhaltung der ethnisch-religiösen Vielfalt (der einzigartigen kulturellen Diversität der Region) förderte, war der tolerante Charakter der 500-jährigen türkischen Herrschaft. Das türkische Reich war gegenüber ethnischen und religiösen Verschiedenheiten viel toleranter, als die west- oder osteuropäischen christlichen Staaten. Im Gegensatz zu den großen Reichen Westeuropas ent-nationalisierte es die auf seinen Gebieten lebenden Völker nicht. Und aufgrund der Traditionen mischen sich die Menschen der unterschiedlichen Ethnien und Religionen weniger, als die großen Reiche in Westeuropa.

 

3. Der Begriff der „historischen Osmose”

Die ethnisch-religiöse Vielfalt der Völker, die in den Grenzgebieten der verschiedenen Kulturen leben, und die unterschiedlichen Bräuche sind ein bekanntes soziales Phänomen. Dieses ist nicht nur im Karpaten-Becken, sondern auch im Raum zwischen Südeuropa und Nordafrika, in den Gebieten Kleinasiens und auch in den Territorien Mittelamerikas zu beobachten. Um dieses zu kennzeichnen verwenden wir den Begriff „historische Osmose”.

Das Phänomen der Osmose ist aus der Chemie bekannt: Am äußeren Rand (am äußeren Randbereich) von zwei Körpern, die sich ständig berühren, vermischen sich die Eigenschaften der beiden Körper, sie leben nebeneinander. Wenn sie sich vermischen (sie assimilieren sich, sie heiraten oder leben zusammen an einem gemeinsamen Ort), entsteht eine neue Qualität. Wenn sie dies nicht tun, dann leben sie in ständiger Spannung. Für ganz Südosteuropa ist das Nebeneinander und die Osmose von west- und osteuropäischen, ja sogar von kleinasiatischen Kulturen und kulturtragenden Völkern charakteristisch.

Die kulturelle Diversität der Region ist einzigartig. Wir neigen heute dazu das, was unsere Vorfahren gestern noch als „Zurückgebliebenheit” der dort lebenden Völker bezeichneten, „Eigenheit” oder „andersartige Entwicklung” zu nennen. Und wir wenden uns mit besonderem Interesse und auch mit Neugier der farbenreichen Kultur der Region zu: Lässt die technische Modernisierung unseres Zeitalters denn diese wunderbare kulturelle Vielfalt zu? Kann denn diese ethnisch-religiöse Vielfalt, die seit sechshundert Jahren zu ständigen Kriegen führte, jetzt, im 21. Jahrhundert ein beispielhafter Raum für die kulturelle Diversität auf der Erdkugel sein?

Der Beitritt zur Europäischen Union wird die technisch-infrastrukturelle Entwicklung in der Region beschleunigen und die Mobilität der Bevölkerung wird sich verstärken. Es ist auch anzunehmen, dass sich der Zerfall der traditionellen Gemeinschaften beschleunigen wird. Es zerfallen dann die Traditionen und religiösen Bindungen im Alltagsleben, die ethnische Vermischung in den Siedlungen und innerhalb der Familien beschleunigt sich und es lösen sich die ethnisch-religiösen Spannungen. Was wird denn das Ergebnis dieser Prozesse sein? Wird so etwas geschehen, was im Falle einer ähnlich gemischten Bevölkerung in den vergangenen zweihundert Jahren, beispielsweise im Karpaten-Becken, bereits einmal geschehen ist? Wird das Ergebnis eine einzigartig ethnisch gemischte Nation wie die ungarische sein? Wird es – trotz der gemischten ethnischen Ursprünge -- eine einsprachige nationale Kultur wie die ungarische sein? Oder wird sich die Region – zum Beispiel nach dem Muster der Schweiz – kantonisieren? Dort organisieren sich die verschiedenen sprachlich-ethnischen Gemeinschaften in streng getrennten territorialen Verwaltungseinheiten, sie leben aber beispielhaft in einer bundesstaatlichen Verwaltungsordnung nebeneinander. Oder wird eine neuartige Entität der Gebietsorganisation und -verwaltung entstehen? Wird es eine solche sein, die wir noch nicht kennen?

 

4. Die Osterweiterung der Europäischen Union: Über die 2000-jährigen Grenzen hinaus

Die Europa-Politik des folgenden Jahrzehnts wird zwei weltgeschichtliche und eine kontinentale Frage zum Thema haben: Die eine Frage ist die der neuen weltgeschichtlichen und machtpolitischen Positionierung des Kontinents (gegenüber den USA, dem Nahen Osten und China). Die zweite Frage ist die Frage Südosteuropas und darin auch die der Balkan-Region. Die dritte, kontinentale Frage betrifft die innere verwaltungs-, gesellschafts- und kulturpolitische Struktur der Europäischen Union.

Die Erweiterung der Europäischen Union erstreckte sich bisher, also bis zum Jahre 2004, auf Gebiete, die seit zweitausend Jahren politisch bzw. kulturell-religiös mehr oder weniger eng mit den westeuropäischen oder integrativen politischen Einheiten verbunden sind. (Die Landkarte über die archäologischen Fundorte der so genannten Hallstätter Kultur, die sich seit 800 v. Chr. entwickelte, deckt sich fast vollständig mit der Landkarte der heutigen europäischen Union. Und auf diesen Territorien existieren bis heute – westlich christliche – Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln, ja sogar Organisationen der Gebietsverwaltung, also Staaten, die nach ähnlichen Prinzipien organisiert waren.) Bereits 2004 überschritt die Europäische Union die Grenzen des deutsch-römischen Reiches, sie hat aber immer noch das Gebiet der traditionellen politischen Institutionen mit westlich-christlicher Kultur einbezogen.

Von 2007 an hat die Europäische Union allerdings den Beitritt von Gesellschaften akzeptiert, die über andere politische Traditionen und andere religiös-kulturelle Gewohnheiten verfügen. Für die Geschichte des europäischen Kontinents und der europäischen Kultur sind die Jahre 2004 und 2007 Schlüsseldaten, historische Grenzpfeiler. Die neuen Gebiete werden sich auf die Zukunft ganz Europas auswirken, auch auf die Struktur der Union.

Mit der Osterweiterung der Europäischen Union gelangten die Völker des Karpaten-Beckens und der Donauniederung in eine neue weltwirtschaftliche und kulturelle Interessensphäre.

Am 1. Mai 2004 traten zehn Staaten Osteuropas der Union bei, darunter zwei Staaten des Karpaten-Beckens: Die Slowakei und Ungarn. Im April 2005 hat die Europäische Union mit Bulgarien und Rumänien Beitrittsverträge unterzeichnet und beiden Ländern in Aussicht gestellt, im Jahre 2007 der Union beitreten zu können. Am 3. Oktober 2005 begannen Beitrittsverhandlungen mit Kroatien und der Türkei und mit Serbien-Montenegro wurde die Vorbereitung eines Stabilisierungs- und Assoziationsabkommens in Angriff genommen. In der südöstlichen Region (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Makedonien, Serbien-Montenegro sowie Kosovo) ist eine Lageanalyse im Gange: Hierbei wird danach gefragt, inwieweit die Staaten der 1993 in Koppenhagen festgesetzten Kriterien der Union gerecht werden. Aus den Erklärungen der führenden Persönlichkeiten der Union geht eindeutig hervor: Die Union plant nicht, außer den Staaten der Region noch weitere Länder in Vorbereitungsgespräche für eine Aufnahme einzubeziehen.

An der Erweiterung der Union beteiligen sich bereits 25 Staaten. Nach den bisherigen Erfahrungen weist die Aufnahme der neuen Länder den Staaten, die sich in der Nachbarschaft zu den Kandidaten befinden, eine aktive Rolle zu. (Das bezeichnet man als so genannte „neue Nachbarschaftspolitik“.) Und dies eröffnet den Individuen und Bürgern, die in der Nachbarschaft des Territoriums der Kandidatenländer leben, neue Möglichkeiten. Die Erweiterung bedeutet für die Unternehmerschicht und für die Intellektuellen eine Herausforderung. Ungarn und die anderen Länder, die mit der Balkan-Region benachbarten sind, sollen ihre außenpolitischen – darunter wirtschafts-, verkehrs- und kulturpolitischen – Richtlinien neudenken. Die Unternehmer dieser Staaten sollen die Zielsetzung ihrer Tätigkeit neudenken. Ihren Bewegungsradius, der sich nach 1990 hauptsächlich in Richtung Westeuropas zeigte, sollen sie auf die südosteuropäische Region ausdehnen. All das wegen der Ausnützung der Möglichkeiten und der neuen Wettbewerbsituation.

 

II.
Für den Aufschwung der Südosteuropa-Forschung

 

1. Wirtschaftlich-militärisches Interesse und Forschung

Der südosteuropäische Raum wird mit der Erweiterung der Europäischen Union voraussichtlich nicht nur eine größere Anziehungskraft auf die internationale Politik und auf transnationale Investoren ausüben, sondern auch ein gesteigertes Interesse bei den Sozial- und Kulturwissenschaften hervorrufen.

In den vergangenen eintausend Jahren war die Region ein militärisch-strategisches Konfliktfeld. Konflikte herrschten zuerst zwischen dem römischen und dem byzantinischen Christentum bzw. zwischen den auf diesen basierenden politischen Machtbündnissen (1054-1453), dann zwischen der osmanischen Welt und der westlichen und orthodoxen christlichen Welt (1453–1878) und schließlich zwischen der sowjetischen und der westlichen Interessensphäre (1945–1992).

Das weltweite Interesse an der Region folgte selbstverständlich den militärisch-politischen Interessen.

1878–1920. Nach der Zurückdrängung des Türkischen Reiches (1878) zog die Region die Aufmerksamkeit englischer, französischer und deutscher (bzw. österreichischer und ungarischer) Forscher auf sich. Dem ist zu verdanken, dass es neben den traditionellen englischen wissenschaftlichen Aktivitäten (Griechenland) auch deutsch-österreichisch-ungarische Anstrengungen in Richtung Südosteuropa gab (Geschichtswissenschaft, Archäologie, Volkskunde und Geographie).

1920–1992. Zur Zeit der Ausweitung des sowjetischen Einflussbereichs bzw. der Existenz Jugoslawien wurde die Aufmerksamkeit gegenüber der Region durch das Interesse an der Sowjetunion bestimmt und genährt. Diese Situation führte weltweit zu einem allgemeinen Interesse an den slawischen Völkern und an der Balkanistik, zur Gründung von Instituten und zur Abhaltung zahlreicher Konferenzen usw. (Besondere Aufmerksamkeit verdient das Institut für Südosteuropa-Forschung in München, das am Anfang nur die Forschung der deutschen Minderheiten in Südosteuropa zum Ziel setzte, jetzt aber eine viel komplexere, umfassende Forschungstätigkeit ausübt und ab 1934 bis heute grundlegende historische Handbücher veröffentlicht.) Genauso wichtig ist die Südosteuropaforschung in Österreich: hier soll die Arbeit von Instituten der Universitäten Wien und Graz und des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts (OSI) in Wien hervorgehoben werden.

1992–2007. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1992) kam es global zu einem Rückgang dieser Forschungen und die Forschungsinstitutionen durchliefen einen Desintegrationsprozess. Grund hierfür war, dass es die Staaten nicht als ihr „strategisches Ziel” betrachteten, weiterhin mit staatlichen Mitteln die Experten, Fachzeitschriften und Institutionen, die sich mit der Region befassten, „auszuhalten”. (Die einzige Ausnahme ist München.) Es ist zwar richtig, dass die Balkan-Krise zwischen 1992 und 1999 viele politische Analysen entstehen ließ, das aber hat die früheren Institutionen der „Osteuropa-Forschung” nicht am Leben gehalten. Das allgemeine Interesse an den Russen und den Völkern des Balkans ging sowohl in den USA als auch in Westeuropa zurück, ganz zu schweigen vom schwindenden Interesse in den kleinen Ländern der ehemaligen sowjetischen Einflusszone, darunter auch Ungarn. (Zu all dem trug auch die grundlegende Neuordnung der internationalen Machtverhältnisse bei: Sowohl die internationalen Investoren als auch die militärisch-politischen Strategen in den einzelnen Staaten konzentrierten bzw. konzentrieren sich auf den Aufstieg des fernöstlichen Raumes, darunter auch auf China.)

Jetzt oder nach 2007 kann sich die Situation verändern. Südosteuropa bleibt nämlich das Gebiet des unmittelbaren Aufeinandertreffens der russischen Interessen und derjenigen der NATO. Dieser Faktor beeinflusst und fördert – ohne Zweifel – die Aufnahme der Staaten der Region in die EU und NATO. Das Hauptkennzeichen der Region wird aber die Bindung an die Union sein. Diese Tatsache führt zu einer Aufwertung Südosteuropas als Waren- und Kapitalmarkt für die Weltwirtschaft. Ebenso wird auch Russland mit dem Fortschreiten seiner Konsolidierung stärker als bisher die Aufmerksamkeit der Unternehmer sowohl aus dem Fernen Osten als auch aus der EU auf sich ziehen.

Was auch immer die Zukunft in Hinblick auf Wirtschaft, Militär und Politik bringt, so ist doch gewiss, dass die Erweiterung bzw. Integration erneut das Interesse an der Region wecken und Forschungsinstitute, Lehrstühle und Projekte initiieren wird, die sich mit der Beobachtung und Analyse der Region befassen werden.

 

2. Die Emanzipation der Regionalforschungen

Wir können nur mit Ehrfurcht und Dank an jene westeuropäischen, vor allem englischen, deutschen und französischen, sowie an jene amerikanischen und russischen Wissenschaftler denken, die in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten analytische und synoptische Studien über den südosteuropäischen Raum geschrieben und Zeitschriften herausgegeben haben. Gleichzeitig haben auch die Forscher der hiesigen Staaten riesige historische, ethnographische, musik- und literaturwissenschaftliche sowie wirtschaftswissenschaftliche Analysen und Detailstudien produziert. Die synthetisierende und vergleichende (komparative) Annäherung blieb aber auf die ausländischen Kollegen beschränkt. Die in der Region lebenden Forscher haben nur selten zueinander gefunden und zumeist nur Basismaterial für die im Westen verfassten Synopsen geliefert. Das ist das Defizit der hiesigen Forschungsorganisationen. (Vielleicht waren auch die nationalstaatlichen Animositäten der Grund für dieses Defizit.)

Als Vorbereitung auf die Osterweiterung der Europäischen Union können jetzt thematisch synthetisierende und vergleichende Programme eingeleitet werden und Institute und Zeitschriften in der Region ins Leben gerufen werden. Die in der Region lebenden Wissenschaftler benötigen einen engen Zusammenschluss, eine netzwerkartige Verknüpfung ihrer Institute. Wir denken dabei an mehrere, entlang der jeweiligen Themen entstehende Netzwerke, an mehrere, in Naturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Historiographie, Ethnologie, Politikwissenschaft usw. parallel laufende, synthetisierende Forschungsprogramme.

Für besonders wichtig erachten wir es, dass in allen Fachbereichen ein „Nachschub” an Wissenschaftlern herangezogen wird. Wir hoffen auf das Heranwachsen einer neuen Generation von Balkan-Forschern. Das neue Budapester Institut für Balkan-Studien hat sich zum Ziel gesetzt, gerade diesen Prozess zu unterstützen. Seine Mutterinstitution ist das 1990 gegründete Budapester Europa Institut, das auf einhundertprozentigem Privatkapital basiert und postgradierte Forscher aus allen Teilen der Welt fördert. Es verfügt über eigene Wohnungen für Gastprofessoren und über ein Kollegium für junge Forscher. Wahrscheinlich wird es im folgenden Jahrzehnt in den Staaten der Region – als Ergebnis von Initiativen, die der unseren ähnlich sind -- zum Aufbau eines institutionellen Netzes für Balkan-Studien, also von Lehrstühlen, Zeitschriften, Institutionen und wissenschaftlichen Vereinigungen, kommen.

 

3. Das Interesse Ungarns und die Möglichkeiten der ungarischen Forscher

Die Geschichte der Ungarn und des ungarischen Staates war eng mit der Geschichte der Völker und Staaten des Balkan-Raums verflochten.

Innerhalb des ungarischen Staates lebten mehrere Völker (Rumänen, Serben, Bulgaren usw.), deren Mehrheit südöstlich des ungarischen Staates zu finden war. Dennoch orientierte sich die ungarische Außenpolitik und das politische Denken nach der Vertreibung der Türken (1690) eindeutig in Richtung Westen, und zwar aus verständlichen Gründen: Ungarn existierte in einem gemeinsamen Staatskörper mit Österreich und ließ sich vom entwickelteren technisch-wirtschaftlichen Niveau des Westens anziehen. Westeuropa war nämlich im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum der Modernisierung der Welt. Dorthin band Ungarn auch die christliche Ideenwelt, die das intellektuelle und politische Denken der vergangenen eintausend Jahre bestimmte, sowie ihre Institutionen, die christlichen Kirchen. Dennoch begann der ungarische Staat nach der Befreiung des Balkans (1878) als Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie eine aktive Balkan-Politik, die Teil der südosteuropäischen Interessenpolitik der Monarchie war. Diese politische Aktivierung führte in Ungarn auch zur Grundlegung der Kenntnisse über den Balkan. In der Außenpolitik der Monarchie vertrat die „ungarische Lobby” bekanntlich den Standpunkt der national-religiösen Toleranz, da das Karpaten-Becken auch eine Region mit vielen Nationalitäten und Religionen war. Dies traf sowohl für den Politiker Benjámin Kállay zu, als auch für Lajos Thallóczy, der ein Experte für den Balkan-Raum war und auf regelmäßige Balkan-Studien drängte. Von diesen Forschungsplänen aus der Zeit vor der Jahrhundertwende wurde in den Jahren von 1900 bis 1914 allerdings nur wenig realisiert. Die Tatsache, dass die slawischen Völker sowie die Rumänen aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bzw. aus dem ungarischen Staatsverband ausscheiden wollten, ist auch das Ergebnis dessen, dass nur ein winziger Teil der politischen Elite der Monarchie bzw. Ungarns die Eigenarten der ethnisch-religiösen Gewohnheiten des südosteuropäischen Raumes kannte.

Das Denken der ungarischen Intellektuellen wurde nach 1920 durch die Tatsache, dass der eintausend Jahre alte ungarische Staat in den Jahren von 1918 bis 1920 zerfallen war, ganz in Richtung Westeuropa gelenkt. Zwei Drittel des historischen Staatskörpers waren damals verloren gegangen. Diese Orientierung nach Westen erfolgte trotz der Überzeugung der damaligen Intellektuellen, dass Ungarn hauptsächlich als Konsequenz der Politik der westlichen Großmächte auseinander gefallen war. (Sie wollten nicht daran glauben, das die Gründe für den Zerfall in den örtlichen ethnisch-sozialen sowie in den politischen Problemen zu suchen waren.) Die ungarische Politikerschicht und die Intellektuellen wollten die verlorenen Gebiete mit Hilfe der westlichen Großmächte zurückgewinnen. Dieser Richtung (main stream) der Außenpolitik und des Denkens der Allgemeinheit war den Balkan-Forschungen und im allgemeinen der Verbreitung von Kenntnissen über den Balkan nicht nützlich. Vielmehr wurden der neue Nachbar im Süden (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) und der Nachbar im Südosten (Rumänien) zu Hauptfeinden Ungarns. (Die einzige Ausnahme war das kleine Institut, das an der Universität Pécs ins Leben gerufen war.)

Nach 1945 geriet Ungarn im sowjetischen Einflussbereich in „Zwangsfreundschaft” zu den südosteuropäischen Nachbarn. Diese Situation wirkte sich in zweifacher Weise aus: Zum einen förderte sie die institutionelle Fundierung der Kenntnisse über den Balkan, zum anderen aber spürten die Intellektuellen – wegen des Zwangscharakters – die wirkliche Bedeutung der Balkan-Kenntnisse nicht. Die Zwangsfreundschaft inspirierte aber zur Realität: Infolge des außenpolitischen Denkens eines Teils der Intellektuellen entstanden kulturell-wissenschaftliche Gesellschaften, die uns mit unseren südosteuropäischen Nachbarn verbanden, und es wurden osteuropäische, slawistische Kenntnisse an der Universität vermittelt, mit deren Hilfe wird unsere südosteuropäischen Nachbarn kennen lernen und uns mit ihnen unterhalten konnten. Mehrere Experten fanden mit dem Studium der Kultur des Balkans ein Auskommen. Zugleich war es für diese Beziehungen (und auch für die Einführung des Russischen als Pflichtsprache) von Nachteil, dass die Balkan- und die Osteuropa-Kenntnisse auf politischem Zwang basierten. Die ungarische Gesellschaft betrachtete diese neue Kultur als Produkt einer ihr aufgezwungenen politischen Ordnung. Nach dem Zusammenbruch des politischen Systems und dem Abzug der sowjetischen Truppen gehörte die Osteuropa- und die Südosteuropa-Forschung zur „Mode der Vergangenheit”. (Im allgemeinen gingen nun auch die Kenntnisse über die slawischen Sprachen der Nachbarvölker zurück).

 

4. Wandel im außenpolitischen Denken

Heute ist ein Wandel im ungarischen politischen Denken notwendig. Unter Wahrung der westeuropäischen Bindungen von dreihundert Jahren müssen wir ein neues Interesse an Südosteuropa und – hoffentlich damit auch – ein allgemeines Interesse an Osteuropa ins Leben rufen. Wir gehen von der Annahme aus, dass die Osterweiterung der Union und die neuen Integrationsprozesse in Südosteuropa nicht nur die politische Umgebung des ungarischen Staates verändern, sondern auch das tägliche Lebensumfeld der Bevölkerung des Landes.

Im kommenden Jahrzehnt wird eine der „Hauptstraßen” der europäischen Politik durch Ungarn hindurch führen. Es eröffnen sich neue Herausforderungen – Wettbewerbssituationen und Chancen – sowohl für die Staatsbürger der Region als auch für diejenigen der benachbarten Regionen (Deutsche, Österreicher, Russen, Ukrainer, Griechen usw.). Es muss daher geklärt werden, welche Konkurrenzsituationen und welche Investitionsmöglichkeiten das kommende Jahrzehnt in sich birgt. Wir müssen neue, Kenntnisse vermittelnde Institutionen errichten. Es sei wiederholt, dass die europäische Politik im folgenden Jahrzehnt zum einen von der Rivalität der Kontinente bestimmt sein wird, zum anderen vom Verhältnis zwischen Westeuropa und Südosteuropa bzw. Osteuropa. Aspekte des Umweltschutzes, der Energetik, der Markterschließung und der Investition werden das erzwingen. (Das kann heute schon abgesehen werden.) Ungarn ist sowohl ein „Tor“ nach Russland als auch eines in den Balkan-Raum. Es ist jedermanns Interesse, dass wir diese Funktion als „Tor“ klug und kultiviert wahrnehmen.

 

III.
Das Zentrum für Balkan-Studien

 

1. Ziele des Zentrums für Balkan-Studien

• Das Zentrum will die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Annäherung der Balkan-Region an andere Regionen Mittelosteuropas, an Ungarn und an die europäische Union fördern. Es will das Ziel fördern, dass Ungarn bzw. die Wissenschaftler und Unternehmer Ungarns in diesem Prozess eine aktive Rolle übernehmen.

• Es will die am Balkan-Raum interessierten Personen und Institutionen miteinander bekanntmachen.

• Es will die natürlichen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Charakteristika der Balkan-Region bekanntmachen.

• Das Zentrum entwickelt Vorschläge für die Politik, die die Vermittlerrolle Ungarns betreffen.

• Das Zentrum bietet als virtuelles Forschungsinstitut Forschern und Unternehmern, die sich mit dem Balkan-Raum befassen, ein Forum. Es will die regelmäßige Kooperation zwischen Wissenschaftlern in Ungarn und Europa, die sich mit dem Balkan-Raum befassen, unterstützen.

• Es will große grenzüberschreitenden Projekte in der Region, die die Umweltwirtschaft, die Produktion, den Handel und die Infrastruktur betreffen, fördern.

 

2. Mittel des Zentrums für Balkan-Studien

• Das Zentrum gibt eine Internet-Zeitschrift heraus, die die Zusammenarbeit der Balkan-Experten und der an der Region interessierten Personen organisiert, Studien veröffentlicht und einen monatlich erneuerten „Beobachter” publiziert (Die Zeitschrift wird in ungarischer Sprache herausgegeben, sie enthält aber Resümees in englischer, deutscher und in einer südslawischer Sprache).

• Es hält regelmäßig Konferenzen ab und lässt Studien zu diesen Themenkreisen ausarbeiten.

• Es veröffentlicht eine Heftreihe über den Balkan-Raum (1. Der Begriff „Balkan”; 2. Dayton; 3. Regionaler Wandel).

• Es ruft unter der Bezeichnung „Freunde des Balkans” einen Verein ins Leben.

 

Das Zentrum befasst sich mit den langfristigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und umweltschutzbezogenen Alternativen der Region – und zugleich Ungarns. Es will sich nur ansatzweise mit den Fragen der außen- und sicherheitspolitischen Tagespolitik befassen. Es bietet der in diesem Bereich bereits aktiven jeweiligen politischen Verwaltung und ihren Hintergrundinstitutionen eine Partnerschaft an. Die Tagespolitik bildet nur einen Teilfaktor unseres Interesses, seine Wichtigkeit ist allerdings groß: Sie ist Mittel zur Verwirklichung der langfristigen Möglichkeiten.

Das Zentrum untersucht insbesondere die Interessen Ungarns innerhalb der neuen regionalen Integration.

 

3. Programmrat und Programme

Im Programmrat des Zentrums erhalten mehrere führende Persönlichkeiten des wissenschaftlichen Lebens einen Platz, also Vertreter der Agrarwissenschaft, der Siedlungsforschung, der Wirtschaftswissenschaft, der Verkehrswissenschaft, des Umweltschutzes, der Wasserwirtschaft, der Rechtswissenschaft, der Geographie, der Minderheitenforschung, der Politikwissenschaft und der Historiographie.

 

Mitglieder des Programmrats sind:

Mitglieder der Ungarischen Akademie der Wissenschaft: József Bayer (Politikwissenschaft), Zoltán Bedő (Agrarwissenschaft), György Enyedi (Siedlungsentwicklung), Ferenc Glatz (Geschichtswissenschaft; Vorsitzender), Béla Kádár (Wirtschaftswissenschaft), Pál Michelberger (Verkehrswesen), István Láng (Umweltschutz)und László Somlyódy (Wasserwirtschaft).

 

Institutsleiter an den Universitäten und an der Akademie: Margit Balogh (Kirche), András Inotai (Wirtschaft), Sándor Kerekes (Umweltwirtschaft), Vanda Lamm (Rechtswissenschaft), János Rechnitzer (Siedlungsentwicklung), Zsolt Rostoványi (Dorfforschung), Tamás Sárközy (Wirtschaftsrecht), Ferenc Schweitzer (Geographie), László Szarka (Minderheitenpolitik), Zoltán Szász (Geschichte). Programmleitung: Attila Pók Attila und Andrea Antal.

 

Mitglieder des Programmvorstandes: Erhard Busek, österreichischer Vizekanzler a.D., EU-Beauftragter, Andrei Pleşu, rumänischer Außenminister a.D., Direktor des Bukarester Europe College, Dušan Kovač, stellvertretender Präsident der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, Arnold Suppan, Vorsitzender des Wiener Ost- und Südosteuropa Instituts und die Mitglieder der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Ferenc Glatz, Béla Kádár, György Enyedi, István Láng und Ernő Marosi.

 

Auf Initiative des Programmrats wurden bisher folgende Programme durchgeführt:

15. November 2005 – Die Erweiterung der Europäischen Union und Ungarn. Referenten: Außenminister Ferenc Somogyi (Außenpolitik), Béla Kádár, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Außenwirtschaft), Pál Michelberger, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Verkehrswesen) und László Somlyódy, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Wasserwirtschaft).

9. Dezember 2005 – Dayton: Menschenrechtsfrage auf dem Balkan.

 

IV.
Die geistigen und materiellen Quellen des Forschungsprogramms

 

1. Das Europa Institut Budapest

Der Direktor des Europa Institutes Budapest (gegründet 1990; www.europainstitut.hu), Ferenc Glatz, legte auf der Sitzung des wissenschaftlichen Rates des Europa Institutes am 10. Juni 2005 den Vorschlag vor, in Budapest ein „Zentrum für Balkan-Studien” zu errichten. Im Zuge der Vorbereitungsgespräche der folgenden Monate schlossen sich das Programm „Nationale Strategische Forschungen” der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sowie mehrere bekannte Akademie-Mitglieder, Universitätsprofessoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Initiative an.

Das Europa Institut Budapest befasst sich seit seiner Gründung 1990 kontinuierlich mit Fragen der Osterweiterung der Europäischen Union. Es nimmt seit 1991 an verschiedenen gesamteuropäischen Projekten, die die Osterweiterung untersuchen, teil. Seit seiner Gründung untersucht und organisiert es mit besonderer Aufmerksamkeit die wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen Ungarns zur osteuropäischen und südosteuropäischen Region. Das Institut fördert bzw. beherbergt Stipendiaten und Gastprofessoren, die zu einem bedeutenden Teil aus dieser Region kommen. Es organisiert Konferenzen und gibt eine fremdsprachige Buchreihe heraus (Begegnungen), deren Themen die Region betreffen. Das Institut stellt die Räumlichkeiten und seine Infrastruktur für die Organisation des neuen Zentrums für Balkan-Studien zur Verfügung, es übernimmt die Bezahlung des Direktors und des Sekretariats und bietet Balkan-Forschern jährlich für insgesamt 12 Monate Professoren- und für jährlich insgesamt 24 Monate Postgraduierten-Stipendien (mit einer Wohngelegenheit im Kollegium) an.

 

2. Das Programm „Nationale Strategische Forschungen“ der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

Das Programm „Nationale Strategische Forschungen” der Ungarischen Akademie der Wissenschaften wurde 1996 mit dem Ziel begonnen, dass die Gesellschaften Mittelosteuropas „zusammen ihre gemeinsamen hiesigen Interessen unter den Bedingungen des großen kontinentalen und interkontinentalen Wandels formulieren. Und diesen Interessen muss auf europäischen Foren nach Möglichkeit Geltung verschafft werden.” Im Rahmen des Programms wurden 1997 Pläne auf regionaler Ebene zu einem regionalen ökologischen Monitoring-System, zu einer Verkehrs- und Wasserwirtschaftsstrategie sowie zu den Perspektiven der Siedlungsentwicklung im Donautal und in der Großen Ungarischen Tiefebene erarbeitet. (Diese wurden als Monographien publiziert.) Die erarbeiteten Konzeptionen konnten teils wegen des so genannten Balkan-Krieges (1999), teils, teils aus Geldmangel nicht verwirklicht werden. Die Verhandlungen der europäischen Union machen es möglich, sich um bedeutende finanzielle Mitte zu bewerben. Der Programmrat der „Nationalen Strategischen Forschungen” hat auf seiner Sitzung am 25. Juni 2005 folgendermaßen Stellung genommen: Er unterstützt die Gründung eines Balkan-Zentrums und finanziert die Organisation von Konferenzen, die Förderung von Stipendiaten und die Herausgabe von Publikationen. Gleichzeitig empfiehlt er dem Präsidenten der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, die Entwicklung der Balkan-Forschung in die wissenschaftspolitischen Empfehlungen der Akademie aufzunehmen (z.B. Unterstützung junger Forscher, Projektförderung).

 

3. Das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

Das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA TK) umfasst acht gesellschaftswissenschaftliche Forschungsinstitute und zwei Forschungsgruppen. Das Zentrum kam zustande, um langfristige gesellschaftswissenschaftliche Unternehmungen zu organisieren. An seiner Spitze steht ein Wissenschaftsrat. Der Wissenschaftsrat hat sich auf seiner Sitzung am 24. Oktober 2005 dafür ausgesprochen, das Programm zu unterstützen. Die Direktoren von acht Instituten des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums haben sich dazu entschlossen, eine Funktion im Programmrat zu übernehmen (Politikwissenschaft, Geschichte, Recht, Soziologie, Ethnographie, Wirtschaft, Archäologie und Minderheitenforschung).

Die Initiative wurde auch vom ungarischen Außenminister Ferenc Somogyi unterstützt, der das einführende Referat bei der Eröffnungskonferenz am 15. November 2005 übernahm. Mehrere Institute außerhalb des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums unterstützen das Projekt, darunter das Institut für Landwirtschaft, das Institut für Geographie, sowie einzelne Lehrstühle der Corvinus Universität, der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität in Budapest, der Universität „Heiliger Stephan“ und der Loránd-Eötvös-Universität. Die Programmorganisatoren rechnet damit, dass sich die Organisationen der agrarischen und industriellen Sphäre (Kammern), die Landesverbände der Unternehmer und Finanzinstitute sowie einzelnen Unternehmer dem Programm anschließen werden.

 

Unsere Erreichbarkeit:

Attila Pók (Programmleiter): Ez az e-mail-cím a szpemrobotok elleni védelem alatt áll. Megtekintéséhez engedélyeznie kell a JavaScript használatát.

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Ferenc Glatz (Vorsitzender): Ez az e-mail-cím a szpemrobotok elleni védelem alatt áll. Megtekintéséhez engedélyeznie kell a JavaScript használatát.

 

Verwendete Literatur:

Castellan, Georges: History of the Balkans. From Mohammed the Conqueror to Stalin. East European Monographs. Columbia Univerity Press, New York 1992.

Hösch, Edgar: Geschichte des Balkans. Verlag C.H. Beck oHG, München 2004.

Hösch, Edgar, Nehring, Karl, Sundhaussen, Holm (Hgg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Wien u.a. 2004.

Hupchick, Dennis P.: The Balkans. From Constantinople to Communism. Palgrave, New York 2001.

Janković, Branimir M.: The Balkans in International Relations. St. Martin’s Press, New York 1988.

Johnson, Lonnie R.: Central Europe. Enemies, Neighbors, Friends. Oxford University Press, New York 1996.

Kaser, Karl: Südosteuropäische Geschichte und Geisteswissenschaft. 2., völlig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2002.

Kocsis, Károly (Hrg.): Délkelet-Európa térképekben. [Südost-Europa in Landkarten MTA Földrajztudományi Kutató Intézet. Kossuth Kiadó Rt., Budapest, 2005.

 

Krausz, Tamás (Hrg.): A Balkán-háborúk és a nagyhatalmak. Rigómezőtől Koszovóig. Történeti és politológiai előadások. [Der Balkankrieg und die Großmächte. Von Rigómező bis Kosovo. Historische und politische Vorlesungen Politikatörténeti Füzetek XIII. Napvilág Kiadó, Budapest 1999.

 

Plaschka, Richard G., Mack, Karlheinz (Hgg.): Die Auflösung des Habsburgerreiches. Zusammenbruch und Neuorientierung im Donauraum. Schriftenreihe des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts. Band 3., Verlag für Geschichte und Politik, München 1970.

 

Seewann, Gerhard, Dippold, Péter (Hgg.): Bibliographisches Handbuch der ethnischen Gruppen Südosteuropas. 2 Bände. Südosteuropa-Bibliographie. Ergänzungsband 3. R. Oldenbourg Verlag, München 1997.

Terzić, Slavenko (edit): Europe at the Crossroads. NewWalls or a United Europe. Collection of Works. Volume 17. The International Round Table Belgrade April 28-29. 1999. Historical Institute, Belgrade 1999.

 

Budapest, 10. November 2005