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Europa Club 3 – Andreas Oplatka über unser Ruf in der Welt

29. März 2012

„Unser Ruf in der Welt” war der Titel des nunmehr dritten Diskussionsabends, der im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe Europa Klub des Europa Instituts Budapest organisiert wurde. Gast des Diskussionsabends war diesmal der in der Schweiz lebende Historiker und früherer Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung, Andreas Oplatka.

Prof. Oplatka betonte, dass er bei der Präsentation des Themas bewusst das Augenmerk des Historikers verwenden und sich nicht der laufenden politischen Debatte annehmen möchte. Zusammenfassend stellte er fest, dass sowohl die frühere als auch die gegenwärtige Regierung Ungarns schwere Fehler begangen hatte, zugleich ist aber die gegen Ungarn gerichtete Pressekampagne in den westlichen Medien überdimensioniert. Sehr oft ist dies darauf zurückzuführen, dass verschiedene Faktoren ein Verständnis der aktuellen ungarischen Ereignisse und Reaktionen in den westlichen Ländern verhindern, was oft zur unangemessenen Lagebeurteilung führt. Der Grund ist darauf zurückzuführen, dass das 20. Jahrhundert bei einem Vergleich der westlichen und östlichen Teile Europas von einer Phasenverschiebung im geschichtlichen Verlauf und in der gesellschaftlichen Entwicklung gekennzeichnet ist. Die westeuropäischen Staaten erleben eine von Erfolgen gekrönte Geschichte, während den ostmitteleuropäischen Staaten diese Erfahrung fehlt, was zur Folge hat, dass hier bestimmte Kompensationsmechanismen wirksam werden. In diesem Zusammenhang behandelte er im Folgenden in Stichworten die Problembereiche, die bei der Beurteilung Ungarns auf fehlendes Verständnis, auf Missverständnis und Kritik stoßen: 1.) Nationalismus: in Ungarn, wie in den ostmitteleuropäischen Staaten ist die historizierende Argumentation ein Bestandteil des im politischen Diskurs angewandten Inventars. In diesen Gesellschaften erfüllt Geschichte als ein Träger und Vermittler von Werten und Identität eine andere Funktion als in den westeuropäischen Gesellschaften. 2.) Die Frage der Integration und Souveränität: In diesem Zusammenhang wird das gegenwärtig in Ungarn im öffentlichen Diskurs oft erwähnte Appel an das Nationalgefühl bzw. an den Zusammenhalt der Nation zu Unrecht als Chauvinismus verstanden, wobei es zu erkennen gilt, dass jede Form eines überhitzten Nationalismus in Westeuropa unakzeptable ist. 3.) Menschenrechte und „political correctness“: Die Ideologie der Menschen-rechte diente in der Zeit des US-amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter als ein Mittel, um gegen die Sowjetunion aufzutreten. Ab den 1980-er Jahren fand diese Ideologie breitere Anwendung (Antirassismus, Rechte von Minderheiten-gruppen, usw.) Allerdings werden fälschlicher Weise die diesbezüglichen politischen und philosophischen Debatten in den westlichen Gesellschaften kritiklos auf die ostmitteleuropäischen Gesellschaften übertragen, ohne die speziellen Aspekte und Entwicklungen der jeweiligen Gesellschaften zu beachten. Er verwies auf den Antisemitismus, der in den westlichen Gesellschaften entschieden als ein Tabuthema behandelt wird, während dieser in diversen Formen im ungarischen öffentlichen Leben präsent ist. Als Letztes wandte er sich den Etiketten zu, die den ungarischen politischen Parteien auf Grund ihrer Namengebung und deklarierten Einstellungen vergeben werden und nicht unbedingt treffend sind, wenn man die von ihnen verfolgte Politik oder ihre Wählerbasis betrachtet, was wiederum dazu führt, dass sie in den westeuropäischen Ländern falsch eingeschätzt werden. Er verwies in seinem Vortrag ebenfalls auf die möglichen zukünftigen Schritte, die zu einem besseren Verständnis des Landes im Ausland beitragen würden. Die Regierung – die jetzige und die vorherige – hat wenig getan, um ihre Beschlüsse und Schritte in einer für westeuropäische Verhältnisse verständlichen Sprache zu erklären. Es sollte ebenfalls beherzigt werden, dass Kompromissbereitschaft an sich in den westeuropäischen Ländern positiv bewertet wird, auch wenn  in Ungarn ein Kompromiss eine negative Konnotation hat.