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Begegnungen
Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest, Band 12:137–143.

LAJOS VÉKÁS

Wissenschaftleraustausch und geistige Wiedervereinigung Europas*

 

I.

1. 1620 wurde in Ungarn eine europäische Reisebeschreibung veröffentlicht. Ein Student, namens Márton Szepsi Csombor hat 1616–18, am Vorabend des 30-jährigen Krieges also, eine damals typische Peregrinationsreise in Westeuropa unternommen und seine Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse – „Lieder eines fahrenden Gesellen” – mit großer Lebendigkeit beschrieben. Mit besonderem Interesse hat er die Hochschulen, u. a. auch die Heidelberger Universität aufgesucht. Das auf Ungarisch geschriebene Buch trägt einen lateinischen Titel: Europica varietas1: das bunte Europa. Dieser Titel hat für den Verfasser und die zeitgenössischen Leser gewiss keine Wertschätzung enthalten; er war eine bloße Feststellung. Aber wissen wir, heutige Bewohner dieses Kontinents, nach einer 50jährigen Trennung, die kulturelle-historische Einheit und Vielfalt der europäischen Nationen zu schätzen?

2. Nach einer über Jahrzehnte dauernden gegensätzlichen Entwicklung ist inzwischen die Annäherung Osteuropas an den Westen in mancher Hinsicht gelungen; der für viele Menschen sehr schmerzhafte Prozess kann schon nach einer kurzen Periode beachtliche Fortschritte aufzeigen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass historische Fehlschläge, wie der sogenannte „real existierende Sozialismus”, erst in einer historisch langen Zeit, wenn überhaupt, wieder korrigiert und die dadurch entstandenen gesellschaftlichen Schäden wieder gutgemacht werden können.

Die Beseitigung der künstlichen Isolation beider Seiten Europas hat 1989 angefangen. Der Öffnung des Eisernen Vorhanges und dem Fall der Berliner Mauer folgten wichtige politische Schritte von historischer Bedeutung: stellvertretend für viele andere sei hier nur auf die Assoziierungsverträge osteuropäischer Staaten mit der EU bzw. auf die begonnenen Beitrittsverhandlungen mit einigen Ländern des ehemaligen Ostblocks hingewiesen. Im Hintergrund dieser Ereignisse von langfristiger Tragweite und außenpolitischer Wichtigkeit erfolgten in mehreren osteuropäischen Staaten tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Änderungen, wie die umfangreiche Privatisierung oder der Ausbau parlamentarisch-demokratischer Institutionen. Diese grundlegende Umgestaltung der Wirtschaft und des politischen Lebens in einigen, ehemals von der Sowjetunion besetzten und kommunistisch-diktatorisch beherrschten Ländern hat sich zum Ziel gesetzt, marktwirtschaftliche Bedingungen zu erfüllen bzw. rechtsstaatliche Verhältnisse zu schaffen. Der geringste Fortschritt in diesem langwierigen Entwicklungsprozess ist in meinen Augen im geistigen Aufeinandertreffen westeuropäischer und osteuropäischer Regionen festzustellen.

In dieser festlichen Stunde möchte ich über dieses Phänomen sprechen und dabei versuchen folgende Fragen zu beantworten:

– wie ist die gemeineuropäische geistig-kulturelle Einheit, historisch betrachtet, aufzufassen; und

– wie können die Universitäten im Rahmen des wirtschaftlich-kulturellen Vereinigungsprozesses der sich ausweitenden EU – mit Hilfe von Studenten- und Wissenschaftleraustausch – zu einer wieder stärker werdenden Mentalitätsgemeinschaft europäischer Nationen beitragen.

 

II.

1. Die Worte „Europa”, „Europäer” erlangten erst seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen besonderen Sinn und Inhalt. Die sehr schmale Schicht von gebildeten Menschen wusste selbstverständlich bereits im Mittelalter, dass sie auf einem Erdteil lebt, welcher schon von den klassischen Geographen des Altertums als Europa bezeichnet und damit von den beiden anderen damals bekannten Kontinenten, von Afrika und von Asien unterschieden wurde. Die geographischen Grenzen und Details selbst waren jedoch unklar und unscharf; erst Anfang des 16. Jahrhunderts hat sich die Kartographie soweit entwickelt, dass man über unseren Kontinent ausführliche, detaillierte und ziemlich zuverlässige Landkarten zeichnen konnte.

Bis zum Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts waren die geistig-kulturellen Attribute des Europäertums noch viel weniger ausgeprägt als die geographischen. Lange Zeit war der Begriff „Europäer” mehr oder weniger mit dem des „christlichen” identisch und er diente hauptsächlich dazu, Völker, die anderen Religionen angehörten, abzugrenzen. Die Philosophen, Dichter und Künstler der Renaissance und des Humanismus haben den Ausdruck „Europäer” an fürstlichen Höfen, in kirchlichen Zentren und – nicht zuletzt – an den Universitäten mit weiteren Merkmalen bereichert. Die humanistischen Strömungen haben – ausgehend von Italien – das griechisch-römische kulturelle Erbe in seinem vollen Umfang wiederentdeckt, begeistert aufgearbeitet und in den Mittelpunkt ihrer schöpferischen Arbeit gerückt. In dieser Zeit gehörte schon ein gewisser Stolz zum Wort „Europa”. 1471 hat z. B. der berühmte Astronom, Johannes Müller, als Regiomontanus bekannt, über seine damalige Aufenthaltsstadt Nürnberg mit Dankbarkeit und lobend als „Mittelpunkt Europas” gesprochen.

Das inhaltlich ausgedehnte, reichhaltige Europabewusstsein wurde durch den aggressiven Vorstoß des osman-türkischen Reiches im 16. und 17. Jahrhundert ideologisch-politisch verstärkt. Die türkischen Truppen haben nach Konstantinopel (1453) im Jahre 1541 auch Buda erobert und bis 1686 besetzt gehalten und auch Wien zweimal belagert. Obwohl die europäischen Mächte nie eine antitürkische Allianz schließen konnten (ganz im Gegenteil : Franz I. von Frankreich ist z. B. gegen Kaiser Karl V. mit dem Sultan ein Kriegsbündnis eingegangen), hat die ständige Drohung der Türken die christlich-europäische Gesinnung offensichtlich gestärkt. Der französische Gelehrte und politische Philosoph, Louis Le Roy, appelliert beispielsweise an dieses Bewusstsein, als er 1559 die europäischen Herrscher um die Beendigung der gegenseitigen Feindseligkeiten bittet und sie mit den Worten zur Versöhnung auffordert: „Hört der Stimme unserer gemeinsamen Mutter Europa zu!”

Ähnlich konnte Francis Bacon 1623 den Ausdruck „wir Europäer” gebrauchen und sich darauf verlassen, dass seine Leser ihn nicht nur inhaltlich verstehen, sondern von ihm auch emotional mitgerissen werden. Zu dieser Zeit waren die Unterschiede der europäischen Kultur zu anderen Zivilisationen auch für die Reisenden auffallend. Ein Engländer, Peter Mundy, Verfasser einer berühmten mehrbändigen Reisebeschreibung, charakterisiert seine Eindrücke nach einer langen Fahrt aus Konstantinopel über den türkisch besetzten Balkan bei der Ankunft in der damals zu Venedig gehörenden Stadt Spalato: „Es schien uns, in einer neuen Welt angekommen zu sein.”

2. Seit dem Spätmittelalter haben die Universitäten in der Verbreitung der abendländischen Kultur und damit des europäischen Bewusstseins eine eminente Rolle gespielt. Besonders wichtig waren in dieser Hinsicht die akademischen Wanderungen sowohl der Professoren als auch der Studenten. Sie haben den Geist eines dozierenden und studierenden Zentrums zu einem anderen ähnlichen Ort mitgebracht und damit für eine ständige gegenseitige geistig-kulturelle Befruchtung und Anregung gesorgt.

Nach der Reformation haben sich zwar die Reisewege der Studenten unterschiedlicher Konfessionen getrennt; auch diese Entwicklung konnte jedoch die grundsätzlich gemeinsame Struktur und die europäisch kulturelle Grundlage des Hochschulwesens nicht beeinträchtigen. Schon das griechisch-römische, historisch-mythologische Vokabular, die Bibel und das Latein als Unterrichtssprache haben dies für weitere Jahrhunderte gesichert, allerdings nur, solange keine kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb der christlichen Welt die Arbeit an den Universitäten behinderten.

 

III.

1. Der in der Einführung erwähnte fahrende Geselle aus Ungarn, Márton Szepsi Csombor, schreibt in seiner Reiserzählung über den Aufenthalt im Sommer 1618 in der schönen Stadt am Neckar: „Die Universität ist zwar kleiner als ich gehofft habe; sie wird trotzdem aus allen Nationen Europas besucht. Ungarische Studenten beeilen sich besonders gern zu ihr.”2 Und dann zählt er namentlich nicht weniger als 16 Studenten aus Ungarn auf, die in diesem letzten Friedensjahr vor dem 30-jährigen Krieg an dieser Universität studierten. Eine mehr als beachtliche Zahl, wenn man die damaligen Einschulungsquoten, Vermögens- und Verkehrsverhältnisse usw. mitberücksichtigt, sowie auch an die Tatsache denkt, dass der Peregrinationsweg ungarischer Studenten auch zu vielen anderen Universitäten führte. Die katholischen Studenten gingen vor allem nach Wien, Krakau und Prag, sowie nach Bologna und Padua, aber auch nach Perugia, Siena, Ferrara, Rom, Neapel oder Paris. Für die protestantischen Studenten waren neben deutschen Hochschulen vor allem holländische Universitäten, wie die in Leyden, Franeker und Utrecht, begehrte Studienreiseziele.

Über die Ungarn, die in Heidelberg studierten, haben wir eine komplette Liste bis 1810. Ein fleißiger Siebenbürger Sachse, Friedrich Teutsch, hat seinen Aufenthalt an der hiesigen Universität auch dazu genutzt, dass er in den Matrikeln nach früheren Studenten des Heimatlandes suchte und die zusammengestellte Liste 1872 unter dem Titel „Die Studierenden aus Ungarn und Siebenbürgen auf der Hochschule in Heidelberg, von der Gründung derselben bis 1810”3 veröffentlichte. Er schreibt dazu: „Die authentischen Nachweisungen über den Besuch ausländischer Universitäten sind für die Kulturgeschichte des Landes von großem Wert. Die Matrikeln wurden mir, wie ich dankbar erwähne, mit freundlicher Bereitwilligkeit von Herrn Bibliothekar Dr. Bender zur Verfügung gestellt und Herr Professor Wattenbach half dem ungeübten Anfänger freundlich über manche Schwierigkeit des Lesens hinweg.” Er fügt noch hinzu: „Der Band der Matrikel, der die Jahre 1662–1704 umfasst, fehlt leider.”

2. Die Liste beeindruckt den heutigen Leser sehr. Nicht nur die Zahl der Studierenden (298 Personen) ist imponierend, sondern noch mehr die wichtige politische bzw. kulturelle Rolle, die viele von ihnen nach ihrer Heimkehr in der Geschichte Ungarns gespielt haben. Stellvertretend für viele andere möchte ich hier die Laufbahn zweier Persönlichkeiten kurz schildern.

Miklós Bethlen, aus einer der berühmtesten Fürstenfamilien Ungarns stammend, kam im Juli 1661 nach Heidelberg. Nach seinen Studien hier ging er noch nach Utrecht und Leyden und hielt sich auch in Oxford und Paris auf. Glänzend ausgebildet kehrte er im Herbst 1664 nach Ungarn zurück, wurde einer der wichtigsten Politiker seiner eigenen Heimat Siebenbürgen und mit wichtigen diplomatischen Missionen betraut. Seine Tätigkeit fiel in eine sehr kritische Zeit seines Landes. Nach der Vertreibung der Türken erfolgte die politische Reintegration Ungarns in die westliche Welt unter der widersprüchlichen Herrschaft des Kaisers Leopold I. Bethlen selbst hat sein langes Leben im Gefängnis bzw. im Hausarrest in Wien beenden müssen. Dort hat er seinen Lebenslauf niedergeschrieben und auch auf seine Studienjahre an westlichen Universitäten zurückgeblickt. Er erwähnt, dass ihn Kurfürst Karl Ludwig in Heidelberg oft zum Tisch und zur Jagd eingeladen hat und erinnert sich an seine Professoren: an den Mathematiker Lunelschoss, die Theologen Spanhemius, Fabritius und Hottinger, sowie – last but not least – an Samuel Puffendorf. Über den letzteren schreibt Bethlen: „er war damals noch sehr jung, las Grotius’ de jure belli et pacis, und wurde später ein sehr berühmter Rechtsgelehrter.”4

Den zweiten Namen, den ich von den ehemaligen Heidelberger Studenten aus Ungarn gern ein bisschen ins Rampenlicht stellen möchte, ist Ferenc Pápai Páriz, der zehn Jahre nach Bethlen, 1672, in diese Stadt kam. Seine Zeugnisse waren so ausgezeichnet, dass ihm hier auch eine Professur angeboten wurde. Er wollte aber nach der Theologie und Philologie auch Medizin studieren und ging deshalb nach Basel. Seine Erfolge waren auch dort so herausragend, dass ihm als Assessor der medizinischen Fakultät die Ehre erwiesen wurde, 1675 bei der Gedenkfeier für seinen gestorbenen Professor, Johannes Henricus Glaserus, die Rede zu halten. Seine Rede, ein philosophisch-literarisches Meisterwerk, wurde zuerst auf Latein in Basel gedruckt, dann öfters auch auf Ungarisch veröffentlicht.5 Er kehrte aus Basel nach Ungarn zurück, praktizierte einige Jahre als Arzt, später wurde er Hochschullehrer und las gleichzeitig klassische Philologie, Philosophie und Naturwissenschaften, fast über vier Jahrzehnte. Er war zudem ein bedeutender Lexikograph. Seine gedruckten Werke reichen von philosophischen, theologischen und kirchengeschichtlichen Aufsätzen über Medizin bis zur Heraldik.

3. Gern würde ich noch weitere Erfolgsgeschichten über akademische Studienreisen meiner Landsleute in Heidelberg erzählen. Nicht weniger überzeugend wäre z. B. über den Psalmübersetzer, Bibelherausgeber, Lexikographen und Grammatiker, Albert Szenci Molnár zu sprechen, der in Heidelberg 1597 immatrikuliert wurde und später sowohl an ungarischen als auch an deutschen Hochschulen gelehrt hat. Noch unausweichlicher ist in diesem Zusammenhang die Person von Loránd Eötvös, der hier 1870 bei Bunsen, Helmholtz und Kirchhoff promoviert hat und heute als einer der größten Naturwissenschaftler seiner Zeit betrachtet werden kann. Seinen Namen trägt auch die bedeutendste Universität Ungarns, an der Eötvös fast 50 Jahre gelehrt und deren Rektorenamt er auch bekleidet hat.

Weil der Rahmen dieser Rede weitere Ausführungen nicht erlaubt, möchte ich nur begründen, warum ich meine beiden Beispiele gerade aus der Zeit um die Wende des 17. Jahrhunderts gewählt habe. Sowohl Miklós Bethlen als auch Ferenc Pápai Páriz haben ihre Tätigkeit – der eine als Politiker, der andere als gelehrter Professor – in einer Zeit ausgeübt, in der nach dem Ende der osman-türkischen militärischen Besetzung die Wiedereingliederung Ungarns in den europäischen Kulturkreis auf der Tagesordnung stand. Aufgrund dieser Beispiele kann man wohl eines festhalten: die Akademiker, die westeuropäische Universitäten besucht haben, haben das gemeineuropäische geistig-kulturelle Erbe in Osteuropa aufrechterhalten und zum Wiedereingliederungsprozess einen unerlässlichen Beitrag geleistet.

 

IV.

1. Ohne vorausdeutende historische Vergleiche zu machen und eine Parallelentwicklung mit unserer Zeit feststellen zu wollen, sehe ich in der heutigen Situation – mutatis mutandis – eine auffallende Analogie. Wie ich einführend kurz geschildert habe, hat die sowjetische Besatzung, der kalte Krieg Generationen des akademischen Nachwuchses in Mittel- und Osteuropa die Möglichkeit eines westeuropäischen Studiums oder Nachstudiums fast gänzlich genommen. In der neuzeitlichen Geschichte unseres Kontinents kam es (die Kriegsjahre ausgenommen) nie zu einer so dichten geistig-kulturellen Isolation zwischen Ost und West wie in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausnahmen, wie die erfolgreiche Stipendienpolitik der Humboldt-Stiftung in manchen osteuropäischen Ländern, unterstreichen nur die traurige Wahrheit dieser Feststellung. Die negativen Konsequenzen dieser ideologisch geprägten und militärisch durchgeführten kulturellen Absonderung bleiben leider auch nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhanges lange Zeit sichtbar.

Für die Überwindung dieses geistigen Bruches sehe ich – nicht zuletzt durch die historischen Erfahrungen bestätigt – im Wissenschaftleraustausch eine ausgezeichnete Möglichkeit.

2. Lassen Sie mich daher aus meiner fünfjährigen Erfahrung als Gründungsrektor des Collegium Budapest, des ersten „Institute for Advanced Study” in der mittelosteuropäischen Region berichten. Das Collegium wurde 1991 als Ergebnis einer europäischen Zusammenarbeit auf Initiative des Wissenschaftskollegs zu Berlin gegründet. Sieben europäische Staaten und weitere Institutionen, darunter auch das Land Baden-Württemberg, haben sich mit dieser Gründung das Ziel gesetzt, hochrangige Wissenschaftler aus Ost und West zusammenzubringen, um ihnen die Möglichkeit eines sorgenfreien Forschungsaufenthaltes für ein Semester oder gar für ein akademisches Jahr zu bieten, sie in den Stand zu versetzen, ihre eigenen Forschungsthemen zu bearbeiten und zu vertiefen. Während der ersten fünf Jahre hat das Collegium rund 160 Wissenschaftler aus über 20 Ländern einladen können. Sie vertreten viele Disziplinen aus den Sozialwissenschaften, Humaniorien und den theoretischen Naturwissenschaften. Jedes Jahr hat das Institut einen Schwerpunkt ausgewählt, in dessen Rahmen dann etwa 8–12 Forscher enger zusammenarbeiten. Diese Schwerpunkte umfassen einerseits Themen aus der Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft, andererseits theoretische Entwicklungsbiologie, Mathematik und Wissenschaftsphilosophie. Ein besonderes Charakteristikum dieses Instituts ist das Zusammenleben von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und verschiedenen Wissenschaftszweigen. Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass dieses Konvivium spontan über die konkreten Wissenschaftsergebnisse hinaus besondere Früchte trägt.

 

V.

Am Ende meiner Rede muss ich einsehen: Ich habe hier in Heidelberg, anlässlich dieses schönen Festes mehr über Ungarn und Osteuropa als über diese Stadt und diese Hochschule gesprochen. Hoffentlich war meine Absicht doch nicht zu verkennen: Ich wollte nur die Universität zu Heidelberg loben, ihre Weltoffenheit hervorheben, ihre historische Rolle in der Bewahrung und Verbreitung des europäischen Geistes mit meinen Beispielen unterstreichen, und meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass die altehrwürdige Ruperto-Carola dieser wichtigen Aufgabe auch in der Zukunft treu bleibt.

Der berühmte Professor dieser Universität, Karl Jaspers schreibt: „Die Weltweite des Heidelberger akademischen Lebens wurde mitbestimmt durch die Anwesenheit, sei es merkwürdiger, sei es bedeutender Persönlichkeiten, die aus Deutschland und Europa nach Heidelberg drängten, hier einen geistigen Boden und Widerhall fanden.”6 Ich bin sicher, dass Ihre Universität auch in der Zukunft dieser Tradition folgt.

 

Anmerkungen

1

Eine kritische Ausgabe des Werkes ist 1968 und 1979 beim Szépirodalmi Verlag, Budapest erschienen.

2

Europica varietas (1979) S. 247.

3

Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde 10/1872., S. 182–192. vgl. auch: Sándor Tonk: Erdélyiek egyetemjárása a középkorban (Die Peregrination siebenbürgischer Studenten im Mittelalter, ungar.) Bukarest, Kriterion Verlag, 1979.; Miklós Szabó–Sándor Tonk: Erdélyiek egyetemjárása a korai újkorban 1521–1700 (Die Peregrination siebenbürgischer Studenten in der Frühneuzeit 1521–1700, ungar.) Szeged, 1992.

4

Siehe Miklós Bethlen: Élete leírása magától (Autobiographie). In: Magyar remekírók. Budapest, Szépirodalmi Könyvkiadó, 1980, S. 572–573.

5

Siehe Ferenc Pápai Páriz: A Glaserus-i Szent Hagyaték (Das heilige Vermächtnis von Glaserus, ungar.) Budapest, Magvető Kiadó, 1982.

6

Siehe Karl Jaspers: Der Heidelberger Geist. In: Michael Buselmeier: Heidelberg Lesebuch. Frankfurt am Main, Insel Verlag, 1986. S. 204–209.

 

* Eine redigierte Fassung des Festvortrages, den der Verfasser am 17. September 1997 an der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg gehalten hat.