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Begegnungen
Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest, Band 7:61–62.

ERHARD BUSEK

Laudatio

Zunächst einmal möchte ich den Regisseur István Szabó mit der Freude eines persönlichen Bekannten beglückwünschen und ich erachte es als eine Ehre, diese Grußworte als persönlicher Freund zu übermitteln.

Zum Zweiten spreche ich meine Anerkennung als Bürger Wiens und im Namen des kunstliebhabenden Publikums von Wien aus. István Szabó hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Wiener sein Schaffen auch als das ihre empfinden. Es genügt, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass er für seine berühmtesten drei Filme – den mit dem Oscar gekrönten Mephisto, Oberst Redl und Hanussen – seinen Hauptdarsteller und schöpferischen Partner in der Person des Wiener Burgtheater-Schauspielers Klaus-Maria Brandauer fand. Doch auch ansonsten ist uns die filmische Welt Szabós von den Motiven, menschlichen Charakteren und Schauplätzen her sehr vertraut. Sollte in der Kunst, in der Sphäre von Stil, Geist und Mentalität eine virtuelle „Österreichisch–Ungarische Monarchie” existieren, dann ist sie in den Werken von Szabó ganz sicher auffindbar.

Drittens: ich begrüße den souveränen Schöpfer der globalen Filmkunst – weltweit bekannt und anerkannt. Diese jetzt 100jährige Kunstgattung (deren Geschichte übrigens von István Szabó im Rahmen einer einzigartigen, interessanten Serie des Ungarischen Fernsehen über ein Jahr hinweg in mehr als 100 Sendungen einer Rekordzahl von Zuschauern vorgestellt wurde) – nun, dieser Film hat während jener 100 Jahre zahlreiche Richtungen hervorgebracht, so u.a. abenteuerliche, kitschige, tragische, romantische, Liebes- oder Lustspielfilme. Die Filme von István Szabó können mit einer spezifischen Kategorie charakterisiert werden: der Kategorie der Verantwortung. Der Schöpfer fühlt die Verantwortung und nimmt sie auf sich und er ruft mit seinen Werken Verantwortung für den Menschen hervor. Und der Schutz allgemeiner menschlicher Werte erfolgt bei ihm immer in Gestalt räumlich und zeitlich exakt definierter Personen. Die Menschen bei Szabó leben hier in Mitteleuropa, in den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Hier und in jener Zeit hatte die Geschichte die menschliche Würde, die Sicherheit und Chancengleichheit des Menschen gefährdet oder tut es noch immer. Ein jeder Film von István Szabó ist ein Memento, eine Mahnung, dass so etwas mit den ein besseres Schicksal verdienenden Bürgern Mitteleuropas nie mehr geschehen sollte.

Einem meiner auch in ungarischer Sprache publizierten Bücher gaben wir den Titel: „Das imaginäre Mitteleuropa”. In diesem imaginären Mitteleuropa wünschen wir der Filmkunst eine solche Verantwortung sowie ein solches künstlerisches Niveau, für welches István Szabó mit seinem bisherigen Lebenswerk ein großartiges Beispiel zeigte. Meine herzlichsten Glückwünsche anlässlich der Zuerkennung des Preises aussprechend wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der weiteren Vollendung des Lebenswerkes.