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Begegnungen
Schriftenreihe des Europa Institutes Budapest, Band 7:57–58.

FERENC GLATZ

Corvinus-Preis, Ungarn 1997

Das moderne Europa wurde in der Renaissance geboren. Seien der Geist und die Freiheit des Menschen sowie das Fachwissen die determinierenden Faktoren der gesellschaftlichen Werteordnung: diese Prinzipien haben den Kontinent Europa an die Spitze des globalen Fortschritts katapultiert. Und dieselben Grundprinzipien stellen bis heute die wichtigsten Kriterien unseres Europäertums dar.

Bei jener Wiedergeburt Europas kam dem Königreich Ungarn und der Politik des Landes, ebenso wie seiner Elite-Intelligenz eine spezifische Rolle zu. Buda gestaltete sich zu einem der führenden geistigen Zentren Europas. Initiator und auch Vollstrecker der „Kulturpolitik” ist derzeit der König selbst, d.h. Matthias, der von l458 bis l490 regierte.

Matthias Hunyadi entstammte einer ungarischen Kleinadelsfamilie rumänischer Herkunft. Bereits als junger Herrscher war er schon vor seinem 20. Lebensjahr wissentlich darum bemüht, sein Königreich nicht allein zu einem politischen Faktor Europas zu gestalten, sondern es auch organisch in das kulturelle Europa einzugliedern. Matthias ist eine Renaissance-Persönlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes – ein ausgezeichneter Turnierkämpfer, listiger Heerführer, charmanter Diplomat und in seiner Freizeit gebildeter Gesprächspartner der Gelehrten seiner Zeit, Mäzen der Wissenschaft und Kultur. Darüber hinaus verachtet er nicht die Vergnügungen des Lebens und zählt zu den Bewunderern weiblicher Schönheit. Nach europäischem Vorbild wünscht er seine Herkunft bis zu altehrwürdigen römischen Familien nachzuweisen, weshalb er sich den lateinischen Namen Corvinus zulegt. In Buda gründet er eine der größten Bibliotheken des zeitgenössischen Europa, u.a. mit den weltberühmten Corvina-Bänden. Gelehrte, Schriftsteller und Dichter begeben sich zu Hofe. Der König lässt in Visegrád von Baumeistern Europas einen der schönsten Renaissancepaläste jener Epoche errichten. Er selbst fühlt sich in allen Städten Europas wohl und verbringt die letzten 5 Jahre seines Lebens in Wien. Nicht nur der Königshof sondern auch hunderte führende geistige und geistliche Persönlichkeiten Ungarns sind einbezogen in den Kreislauf westeuropäischer Kultur und Diplomatie.

Einer der Gründer des Europa Institutes warf den Gedanken auf, einen Preis zu stiften, welcher regelmäßig solchen Persönlichkeiten verliehen werden sollte, die auf dem Gebiet von Kultur, Wissenschaft und Politik Hervorragendes für die europäischen Beziehungen des ungarischen Staates und der Nation leisteten.

Im Sinne dieser Zielsetzung haben wir den Preis Corvinus-Preis genannt.

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Das Europa Institut Budapest ist seit 1990 eine der bedeutendsten Institutionen auf dem Gebiet der kulturell-wissenschaftlichen Organisation in Mitteleuropa, die gemeinsam mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, mit Universitäten in Budapest, Wien, München, Prag, Bukarest und London, mit ungarischen und europäischen Zivilorganisationen (so der Soros-Stiftung, der Paneuropäischen Union usw.) zahlreiche Konferenzen in Bezug auf die europäische Integration Ungarns organisierte. Das Institut war in den vergangenen Jahren – gemeinsam mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften – Mittelpunkt und Organisator jener Veranstaltungen, die sich mit der Unionsfähigkeit Ungarns befassten und aufgrund welcher die ersten Analysen über die Chancen eines Beitritts Ungarns für die EU verfertigt wurden. Zu seinen Veranstaltungen erschien auch der Herr Staatspräsident nahezu jährlich einmal. Das Institut ist Treffpunkt und Forum des von der Parteipolitik freien wissenschaftlichen und politischen Lebens.

Einer der Gründer des Europa Institutes, Senator Dr.Dr. Herbert Batliner ist Kurator mehrerer solcher Stiftungen, die in Europa der Unterstützung der ungarischen Kultur dienen. Er wurde vom Herrn Staatspräsidenten 1992 persönlich empfangen und nahm im Jahre 1995 eine hohe Staatsauszeichnung entgegen. Herr Batliner und die von ihm geleiteten westeuropäischen Stiftungen subventionieren verschiedene kulturelle-literarische-medizinische Programme, deren Ziel es ist, den europäischen Geist und die europäische Kultur aufrechtzuerhalten, die Institutionen der europäischen geistigen Verbürgerlichung weiter auszubauen. Auch der jetzt gestiftete Corvinus-Preis dient diesem Zweck. Er wird vom Stiftungsrat solchen Gelehrten, Schriftstellern oder Künstlern zuerkannt, die für die Verbindung von Europa und Ungarn, für die Erschließung des gemeinsamen europäischen Kulturschatzes und dessen Erhalt Hervorragendes leisteten.

Zum ersten Male wurde der Corvinus-Preis vom Kuratorium dem Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabó zugesprochen. Vor der internationalen Jury hatte er im Wettbewerb mit weltweit bekannten Politikern, Künstlern und Gelehrten zu bestehen. István Szabó ist der gegenwärtig berühmteste Vertreter der ungarischen Filmkunst. Im Ausland ernten seine Filme weltweit Erfolge und vermitteln überall die Geistigkeit Mitteleuropas und Ungarns.

Der Preis wird alle zwei Jahre im Gebäude der Ungarischen Akademie der Wissenschaften überreicht.